Und da sage mir noch einer, ich unke...

Killerspiele
Bayern will Haftstrafen

Bayern und Niedersachsen wollen mit einer gemeinsamen Bundesrats-Initiative ein Verbot so genannter Killerspiele durchsetzen. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) will den Gewaltdarstellungs-Paragrafen 131 des Strafgesetzbuchs so ändern, dass die Herstellung, Verbreitung und Nutzung von Gewalt verherrlichenden Computerspielen bestraft werden kann. Becksteins niedersächsischer Amtskollege Uwe Schünemann (CDU) unterstützte am Dienstag die Pläne. Sein Ministerium arbeite an einem Konzept, das mit dem bayerischen Entwurf zusammengeführt werden solle. "Unser Ziel ist, Anfang 2007 eine gemeinsame Bundesrats-Initiative zu starten."

Haftstrafen von bis zu einem Jahr

Nach den Vorschlägen Becksteins könnten Herstellung, Vertrieb, Kauf und Nutzung menschenverachtender Computerspiele mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden. Ministeriumssprecher Rainer Riedl sagte, in der Praxis müsse es allerdings Differenzierungsmöglichkeiten geben. "Wer gewerbsmäßig die übelsten Killerspiele auf den Markt bringt, wird sicherlich anders bestraft werden, als jemand, der so ein Spiel von einem Freund ausgeliehen hat." Zuvor hatte "Spiegel online" über die bayerischen Pläne berichtet.

Wie schön, dass wir in Deutschland leben, in einem Land, welches weltweite Bemühungen zur erzwungene Durchsetzung der Demokratie unterstützt und dies mittlerweile sogar mit Waffengewalt. Einem Land, dessen Anführer und Oberhäupter ihre Bürger behandeln wie Kleinkinder und anstatt sich die Mühe zu geben die tatsächlichen Mängel zu beseitigen und die gesellschaftlichen Probleme zu lösen, Computerspiele als Teufelszeug hinstellen. Da kommen psychiologische Studien, die bestätigen, was man lesen will gerade Recht. Obwohl jeder zweite Mensch, der schlau genug ist, weiß, dass die beschriebenen Hirnregionen, dass angeblich so angespannte Stresszentrum, auch gleichzeitig für Freude, Erregung und nahezu den Rest aller menschlichen Emotionen zuständig ist. Könnte es also nicht sein, dass die Probanten dabei an ihre letzte LAN - Party dachten und sich vielleicht schon auf die nächste freuten, anstatt sich in ihrem völlig gesunden Gehirn auszumalen, wie schön es doch wäre dem Arzt das Herz rauszureißen? Was nicht heißen soll, dass sie das jetzt nicht denken, wo sie feststellen, welcher Schwachsinn in ihre Gefühlswelt interpretiert wurde?
Aber, so ist es in unserem Land, da werden verantwortungsbewußte Menschen, die klare politische Aussagen vertreten, vor den Richter zitiert, weil sie dafür ein Symbol in eindeutig ablehnender Weise verwenden, welches besser nicht in der Öffentlichkeit zu sehen ist.
Und bald sind auch die Computerspieler Verbrecher. Wie ist das eigentlich, Mensch, Ärgere dich nicht, wird verboten, weil man die Spielfigur des Gegners "schlägt"? Schach, ein überaus aggressives Spiel, eine taktische Kriegssimulation, bei der es darum geht Bauern zu morden und am höfischen Ränkeschmieden teilzunehmen (gut, um sich das vorzustellen braucht man Fantasie). Was ist mit den Disney Cartoons? Platt gedrückte Enten, Mäuse, die allesamt mit menschlicher Stimme sprechen, oder mit den Hanna Barbara Comics? Ach und überhaupt, Comics, ja, die sind auch gewaltverherrlichend. Wird auch jeder Fernsehserie, in der eine Ohrfeige verteilt wird, nun indiziert und die Szene mit schwarzem Balken und Pfeifton belegt? Und warum werden eigentlich Pornofilme nicht verboten? Man hat bei vielen Vergewaltigern solche gefunden. Nur mal am Rande erwähnt. Sind nicht alle Staaten die es jemals versucht haben, mit derartigen Verboten aufs Antlitz gefallen? Was war denn mit der Prohibition in den USA? Stieg drehte sich die Gewaltspirale dadurch nicht noch weiter? Natürlich werden wir hier nicht mit Waffengewalt EgoShooter organisieren, aber wenn der Import, der Verkauf und der Tausch (natürlich im legalen Rahmen!!! das UrhG sollte schon gewahrt bleiben) verboten ist, dann wird es trotzdem Menschen geben, die versuchen werden diese Spiele zu beziehen. Dann wird es umso reizvoller sie zu spielen und es dürfte klar sein, dass es dann auch verstärkte Verstöße gegen andere Gesetze geben wird, z.b. das erwähnte UrhG. Eine solche Ankündigung zu treffen grenzt schon an geistige Umnachtung, eine solche Entscheidung überhaupt in Erwägung zu ziehen und dann auch noch zu hoffen, dass damit solche Taten verhindert werden können, übersteigt schon den vertretbaren Grad der Inkompetenz, selbst bei einem Politiker.

Abgesehen davon, verehrter Herr Beckstein, es gibt gut 1o Millionen Geräte in Deutschland, an denen nach ihrer Einschätzung potentielle Mörder sitzen. Schalten sie bitte gleich das Fernsehen ab, verbieten sie das Radio und kappen sie ja alle Telefonleitungen, und vergessen sie dabei bloß die Internetzugänge nicht, verbieten Sie Computer, Handies, Konsolen und was es nicht noch alles gibt, auf dem man vielleicht mal sehen kann, wie irgendeinem Lebewesen irgendetwas passiert. Und dann, ja dann sollten sie eine SOKO Naturgewalt gründen, welche nach Katzen fahndet und mörderische Spinnen inhaftiert, denn diese Bilder könnten ja in einem Menschen Gewaltfantasien wecken. Vielleicht sollten sie aber einfach noch einmal mit dem Kopf gegen den Schrank laufen, ich hab aus so manchem Film gelernt, dass dies den vorher erlittenen Dachschaden repariert. Tja, ich glaube mit dem letzten Satz erfülle ich den Tatbestand der Verunglimpfung einer Person des öffentlichen Lebens, nun, andere nennen das Satire. Aber ich bin sicher, dass sie mich auch bald verklagen könnten, denn durch meine bildhafte Sprache hab ich soviel Gewaltverherrlichung betrieben, dass ich ganz sicher nach der Änderung des Gesetzes richtig Ärger kriege, denn, naja, sie müssen auch unglaublich viele Bücher zensieren. Ja, Winnetou, MacBeth, Kabale und Liebe, ja selbst den guten Faust sollte besser Niemand mehr lesen, denn auch dort wird physische Gewalt verherrlicht.

1 Kommentar 6.12.06 01:18, kommentieren

Und plötzlich war ich ein Verbrecher

Die Tür wurde geöffnet. Ein unangenehmer Geruch von Schweiß und Urin, Kot und etwas völlig Undefinierbarem strömte dem Reporter entgegen. Dennoch, die kleine Zelle war aufgeräumt und sauber. Lediglich das Klo schien ein wenig vernachlässigt zu sein. Auf dem einfachen Bett saß ein knapp 4o Jahre alter Mann mit dichtem Bart, aber wachen und leuchtenden Augen. Er trug eine alte Jeans und einen schwarzen Pullover. Kaum das der Reporter den Raum betreten hatte, erhob er sich, und ging zur Begrüßung auf den Neuankömmling zu. Danach bot er ihm dein einzigen Stuhl der Zelle, der an einem kleinen Holztisch stand, an. Nachdem der Reporter, nicht ohne sich zu bedanken, Platz genommen hatte, setzte sich der Inhaftierte wieder auf sein Bett. Sein Blick verriet Neugier, aber auch eine gewisse Zufriedenheit.
"Warum sind sie hier?" begann der Reporter ohne Umschweife sein Interview. Der Mann sah den Fragenden kurz und durchdringend an, dann antwortete er.

"Es war im Jahr 2oo7, Deutschland wurde von einer großen Koalition regiert, die Vereinigten Staaten von Amerika und einige andere führten einen Krieg gegen den Terror, doch die Grenzen, wer der eigentliche Terrorist war, verschwammen, je länger der Kampf andauerte. Immer mehr Länder und Menschen gerieten hinein und unsere Politiker dachten, dass es Zeit wäre die Bürger umfassender zu kontrollieren. Dann kam es zu einer menschlichen Tragödie, als ein junger Mann, enttäuscht von seinem Leben, Rache schwor und schwer bewaffnet zu seiner alten Schule zurückkehrte. Er war nicht der erste der dies tat. Die Berichte über schulische Gewalt hatten sich damals gehäuft, vorher war es wohl nur ein Phänomen im Ausland, doch dann schwappte dies auch nach Deutschland über. Da die Menschen in unserem Land das Vertrauen in die Politik verloren, junge Leute sich kaum noch Illusionen ihrer Zukunft hingaben und langsam anfingen zu erkennen, dass, egal, was sie unternahmen um sich zu äußern oder auf diese Missstände hinzuweisen, immer und immer wieder ignoriert wurden, beschlossen die Mächtigen des Landes dem wachsenden Unmut mit schnell sichtbaren Maßnahmen entgegen zu treten. Zwar wäre es günstiger gewesen genauer zu analysieren, die Fakten zu sichten und zu prüfen, doch dies hätte einige Zeit gedauert und das Abstellen der Missstände wohl noch länger. Man war eben zu gierig die Macht zu behalten, anstatt Mut zu beweisen und Reformen einzuleiten, weitreichende Reformen, wohlgemerkt, umfassende. Doch warum sollte man dies tun? Warum, wenn so leicht Schuldige zu finden waren? Internet und Computerspiele. Unkontrollierbare Medien damals, doch China hatte bewiesen, dass man eine weitreichende Zensur durchführen konnte. Die Gesetze waren schnell beschlossen, zu tief saß der Schreck und die Menschen kannten die Fakten nicht, denn Halbwahrheiten und kleine Ungenauigkeiten, gezielte Desinformation und auch fein gestreute Lügen hatten sie für die Tatsachen blind gemacht. Noch dazu war die grassierende Politikverdrossenheit natürlich hilfreich. Kaum einer achtete auf das Gefasel der Herrschenden, sie taten es ja selbst nicht einmal. Das waren noch Zeiten, als die Damen und Herren stundenlang reden konnten, ohne das sie dabei Etwas zu sagen hatten oder auch nur sagen wollten. Erstaunlich, wie sie so viele Worte für Nichts fanden. Das Wichtige jedoch beschlossen sie hinter dichten Türen und zwangen es den Bürgern auf. Ein Telekommunikationsgesetz, welches ihnen das Recht gab auf Verdacht hin Leute zu belauschen, vollständig zu prüfen und selbst vertraulichste Daten zu erfassen. Verdacht, ein wundervolles Wort. Dein Nachbar sagte, er glaube, dass du etwas 'unrechtmäßiges' tust und schon warst du ein 'Person gesonderten Interesses'. Du selbst wusstest davon natürlich nichts. Tja, aber, wen wundert das, wenn damals ein Gesetz verabschiedet wurde, welches dich zum Bezahlen von Diensten zwang, welche du niemals benutztest, schlicht, weil die theoretische Möglichkeit bestand. Irgendwann einmal war ich mit meiner Frau in einem Buchladen, da lag ein Buch mit dem Titel 'Tagesschau', was dazu führte, dass ich sie darauf hinwies, dass sie nun das Geld für dieses Buch zu zahlen hätte, schließlich wäre ja da ja die Möglichkeit, dass sie es lesen könnte.
Doch, nun zu ihrer Frage, wie kam ich hierher. Tja, das ist einfach. Ich mochte Computerspiele und wurde somit zum Staatsfeind. Ich weigerte mich das Verbot gewisser solcher per Gesetz zu akzeptieren, denn ich empfand dies als Bevormundung. Ich habe so gut wie nie eine Waffe in der Hand gehalten, nur ein paar Mal in Ausübung meiner Bürgerpflicht, des Wehrdienstes. Ich dachte nur, dass ich mit dreißig Jahren das Recht hätte in meiner Wohnung, auf meinem Rechner spielen zu dürfen, was ich möchte. Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Gesetzeshüter und Bürgerinteressenempfehler gemacht. Sie nahmen wohl an, dass erwachsene Bürger nicht befähigt sein zwischen Realität und Fiktion, Spiel und Leben zu entscheiden. Sie vertrauten ihren Bürgern wohl so wenig, wie diese ihnen hätten vertrauen sollen. Leider schwiegen diese, immer und immer wieder, anstatt von ihrem Recht Gebrauch zu machen und sich zu Wort zu melden, Einspruch zu erheben und die Damen und Herren an ihre Pflicht zu erinnern, nämlich ihre Arbeit für die Bürger und nicht für ihren Geldbeutel auszuführen. Die Interessen der Bürger zu achten und zu schützen. Natürlich wird man keinen Menschen finden, der freiwillig das Opfer eines Amokläufers wird, doch, wie ich schon sagte, anstatt die Fakten zu prüfen, welche zu dieser Tat führten, ergriffen sie voreilige Maßnahmen, und ich, ein unbescholtener Bürger musste mir Spiele nun importieren, bis auch dies verboten war, was ich jedoch nicht akzeptieren konnte und wollte. Kaum hielt ich 'Andoriana - Quest of Dormial' in den Händen, standen die Fahnder vor meiner Tür. Ja, ein schrecklich Gewalt verherrlichendes Spiel war das. Ich glaube nicht, dass sie das kennen, sie sehen nicht so aus, als hätten sie vor 1o Jahren schon einen Computer besessen. Man schlüpfte in die Rolle des Ritters Ansurion Andoriana und hatte den Auftrag die Welt Dromial vor einer düsteren Bedrohungen zu retten. Einen Haufen Rätsel gab es zu lösen und sicher, es gab auch Kämpfe, doch die waren Nebensache, nur im Multispielermodus lieferte man sich mit Spielpartnern ausgedehnte Schlachten. Bis zu 3oo Spieler während einer Schlacht. Man konnte erahnen, wie sich die Ritter und das Fußvolk während des Mittelalters fühlten. Blut wurde nicht gezeigt, der Gegner fiel zu Boden und blieb dort liegen, bis eine Schlacht vorüber war. Sicher, es gab auch noch den 'Keep Castle Mode' in welchem eine kleine Gruppe versuchte in eine Burg einzudringen, während im Inneren Verteidiger warteten. Nach jeder Runde stieg man, falls man den Kampf nicht überlebt hatte, wieder ein.

Nun, sie können diesen Zellenblock hoch und runter marschieren, sie werden nur Häftlinge finden, welche sich gegen dieses Verbot auflehnten. Die sich nicht bevormunden lassen wollten und mit den Strafgebühren für jeden, dem Gesetz zuwiderlaufenden Titel nicht einverstanden waren. Tja, so war ich also plötzlich ein Verbrecher, ein Mensch, der gegen die Grundsätze dieses Staates verstieß und sich mit seiner Weigerung dieses eine Gesetz zu akzeptieren zum Hochverräter machte. So ist das, wenn die mit Macht sich über die Regeln hinwegsetzen, jene ohne es ihnen gleich tun."

Hier endete der Befragte. Der Reporter nickte, stand auf und ging zur Tür, wo er sich vom Zelleninsassen verabschiedete. Die Tür schloss sich. Der Reporter wollte zur Treppe gehen, als er die Hand des Wärters auf der Schulter spürte.
"Das Band bitte, wir wollen doch nicht, dass er solche Lügen auch noch verbreiten kann". Hilflos sah der Reporter zu, wie der eine Wärter mit dem Band verschwand, der andere bugsierte ihn langsam in Richtung Treppe, zum Ausgang und ließ ihn dann im Regen stehen. Mit einem düsteren Ausdruck auf dem Gesicht ging der Mann zu seinem Auto und fuhr zu seinem zweiten Termin, der Trauerfeier für sechzehn Opfer eines 15 jährigen Amokläufers an einem Gymnasium.

Reine Fiktion, natürlich, doch, was soll man machen, wenn man soviel Unverstand und Unvernunft lesen muss und Politiker ernsthaft über den Verbot von Spielen nachdenken, dabei aber vergessen, dass ein 18 - jähriger in diesem Land das Recht hat selbst zu bestimmen, wie er seine Zeit verbringt, solange er dabei nicht gegen geltendes Recht verstößt. Ein Mensch, der Al - Jazeera sehen will, oder sich Webseiten einschlägig bekannter Organisationen ansehen möchte, hat das Recht dies zu tun. Ein Bürger dieses Staates hat ein Recht auf Informationen aus selbstbestimmten Quellen. Er hat ein Recht auf seine Meinung und die Freiheit sich diese zu bilden, sowie diese zu äußern. Dem Bürger dieses Landes ist das Recht auf Selbstbestimmung garantiert. Dies bedeutet auch, dass ein Bürger dieses Landes selbst entscheidet, wie er seine Freizeit verbringt, solange er damit keinen Eingriff in das Selbstwertgefühl oder die bestehenden körperlichen Rechte eines anderen Bürgers vornimmt. Wenn ich also an meinem Rechner 4 Milliarden Aliens erschieße, oder alle Schlachten des zweiten Weltkrieges durchspiele, Terroristen jage oder mich als solcher an der virtuellen Durchführung von Geiselnahmen, und Attentaten beteilige, ist das meine Sache. Wenn ich mich mit Menschen, welche ein gleiches Freizeitinteresse haben zusammenschließe und diesem in der Gemeinschaft nachgehe, hat dies die selbsternannten Tugendwächter immer noch nicht zu interessieren. Der Staat hat die Pflicht diese Rechte für die Bürger zu schützen, anstatt sie in blinder Panik zu beschneiden, schrittweise abzuschaffen, weil sich die verantwortlichen Politiker mit der Masse neuer Medien überfordert fühlen und längst den geistigen Anschluss verloren und das erforderliche Verständnis für Modernisierung und Wandlung nie besessen haben. Keiner der Amokläufer der letzten Jahre hat angegeben, dass er einmal live Counter-Strike oder Battlefield spielen wollte, sondern vielfach haben sie angegeben sich unverstanden, einsam, vernachlässigt, verraten und verkauft zu fühlen. Sie haben aus unerkanntem Frust heraus gehandelt und hatten Zugang zu Waffen. Anstatt den Menschen die Möglichkeit des Spielens zu nehmen, was bei manchem dem Frustabbau, bei anderen dem Erleben einer Gemeinschaft und wieder anderem lediglich der Entspannung dient, sollte man sich also lieber darum kümmern, dass Menschen sich nicht chancenlos oder verlassen fühlen. Ihnen nicht immer und immer wieder sagen wollen, was sie zu tun, oder zu lassen haben. Sie nicht in den Ämtern von oben bis unten anstarren, nur weil sie bunte oder extrem kurze Haare haben oder vielleicht schwarze bzw. bunte Kleidung tragen. Es ist interessant, dass manche junge Mutter ständig vom Jugendamt belästigt wird, obwohl sie sich vorbildlich um ihr/e Kind/er kümmert, während andere, so genannte 'unauffällige' Frauen ihre ehemaligen Kinder in Tiefkühltruhen lagern. Es mag sein, dass Kleider Leute machen, aber wahrscheinlicher ist es, dass dieses oberflächliche Denken und Sehen, gepaart mit zu wenig Zeit und Beschneidung der Befugnisse eher zu solchen Reaktionen führt, als das harmlose Spiel mit Bits und Bytes. Wenn man also keine Lösung für ein Problem hat, sollte man sie suchen, aber nicht an den Stellen, die einem ohnehin gerade unbequem erscheinen, sondern anhand der Fakten. Im Zweifelsfall sollte man nach solchen Ereignissen, wie zum Beispiel in Emsdetten einmal Berichte von ähnlichen Taten im In- und Ausland untersuchen, überraschend wird man da nämlich Gemeinsamkeiten finden, wahrscheinlich die, dass die Menschen sich überfordert und ausgestoßen fühlten. Egal, ob Littleton, Erfurt oder Emsdetten.

Denn, ist es nicht so, dass heute jeder Zweite einen Computer hat und wahrscheinlich jeder Vierte ein sogenanntes Gewalt verherrlichendes Spiel besitzt. Rechnet man sich das mal spassenshalber aus, dann hat man 4o Millionen Computerbesitzer und 1o Millionen, die schon mal einen 'Shooter' auf ihrem Rechner installierten. Dagegen stehen 1 / 1.ooo.ooo Amokläufe Jugendlicher in Deutschland. Das ein junger Mensch Zugang zu einem Rechner hat ist nicht ungewöhnlich, aber sie haben auch die Möglichkeit fern zusehen, Hörbücher zu hören. Ist es nicht vielleicht so, dass Gewalt unter Jugendlichen ganz andere Quellen und Ursachen hat? Ist es nicht vielleicht so, dass die Gewalt gar nicht wirklich zugenommen hat, sondern lediglich in ihrer ausgeübten Form andere Ausmasse annimmt und eher angezeigt wird? Und selbst, wenn sie zunimmt, besteht doch die Möglichkeit, dass dies immer noch soziale Hintergründe hat und nicht so einfach mit dem Spielen erklärt werden kann. Ist es nicht vielleicht so, dass das dauerhafte Angst verbreiten Resignation fördert. Wie stark wird denn mit diesen Befürchtungen der Menschen gespielt? Wie oft wird Arbeitslosigkeit etc. als Argument aufgeführt. Wenn du das nicht kannst kriegst du keinen Job. Wer kann denn beurteilen, welchen psychischem Druck ein junger Mensch ausgesetzt ist, wenn die Erwachsenen schon in dauerhafter Angstzuständen leben. Angst als Druckmittel. Angst als Mittel zur Rechtfertigung von unnötigen und die Selbstbestimmung bescheidenden Maßnahmen. Man sucht nicht nach alternativen Wegen, sondern wählt den einfachsten, rohe oder versteckte Gewaltanwendung. Politiker sind ja solch strahlende Vorbilder und die Medien machen mit, nur die wenigsten informieren sich und dann ihre Hörer, Leser oder Zuschauer richtig und umfassend. Interessant, dass diese Zusammenarbeit ohne Gleichschaltung funktioniert. Vielleicht verkaufen sich Schreckensmeldungen und Panikmache leichter.

23.11.06 22:42, kommentieren

Alltagswahnsinn

Ich schreib nicht viel, obwohl ich über so manche Sache nachdenke und dann stellt sich mir oft die Frage, sollte man dies wirklich öffentlich sagen? Nun, dass was heute so durch meinen Kopf ging, kann man, nein, muss man einfach aussprechen, denn es immer und immer wieder herunterzuschlucken kann nicht gesund sein.

Emsdetten. Für Viele, so vermute ich, war dies bis zum Montag nur eine Stadt irgendwo in Deutschland. Ich gestehe, ich hab den Namen des Ortes wahrscheinlich zuvor nur mal auf einer Landkarte oder als Adressangabe in einem Forum gesehen. Ich könnte nicht behaupten, dass sich meine Kenntnisse um den Ort seit Montag wesentlich verbessert hätten, nur, dass ich jetzt weiß, dass dort ein junger Mensch seinem Unmut auf sehr radikale und den Opfern gegenüber ungerechte Weise Luft machte. Mein Mitgefühl kann ich allen Beteiligten versichern, sowohl der Familie des Täters, als auch den Angehörigen der Opfer. Irgendwie macht das Geschehene sogar mir einmal Angst, ist doch meine Mutter selbst Lehrerin.

Ich las also den Abschiedsbrief des jungen Mannes und mir fiel auf, dass er mit einer Unzahl von Aussagen Recht hatte. Natürlich war seine Schlussfolgerung nicht richtig und die Tat, die er begangen hat degradiert seinen scheinbar wachen Geist. Die Energie, welche er in die Vorbereitung steckte, wäre an anderen Stellen weit besser, weit Gewinn bringender - im nicht materiellen Sinne - investiert gewesen. Er hat sich so entschieden.

Nun seh ich die Reaktionen der Politiker. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, zieht ein Verbot von Spielen in Betracht. Komisch, ich kann mich nicht erinnern im Brief des Amokläufers gelesen zu haben, dass er sich wie Max Payne rächen will, oder das er sich als letzter Überlebender einer SAS, GIGN oder SEK - Einheit sieht, der die verbliebenen Terroristen nun allein eliminieren muss. Ich habe auch nirgendwo entdeckt, dass er sich selbst als Hitman sieht, oder ein Machtsyndikat aufbauen möchte. Nirgendwo ein Hinweis darauf, dass seine Entscheidung durch ein Computerspiel beeinflusst wurde. Im Gegenteil. Er nennt exakt seine Gründe und, man möge mir verzeihen, aber selbst wenn er in seinem Leben mal oder auch des Öfteren Counter-Strike, Battlefield oder GTA gespielt hat, so heißt das noch lange nicht, dass dies seine Hemmschwelle reduziert hätte. Ebenso könnten es die Bilder der Nachrichten sein, die alltägliche Gewalt auf deutschen Strassen oder aber auch einfach ein kollektiv menschliches Versagen.

Ja, tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass man hier von menschlichem Versagen sprechen kann. Natürlich werden die Eltern nun versichern, dass ihr Sohn immer alles hatte. Natürlich werden die Lehrer ihn entweder als Querulanten oder als anständigen Schüler, vielleicht auch als extrovertierten Mitmenschen beschreiben. Doch Geld ersetzt kein Gespräch, Kleidung keinen Gedankenaustausch und eine gute Note keine Enttäuschung sich nicht mitteilen zu können und keinen Ansprechpartner zu finden. Auch eine schlechte Zensur bessert das Befinden nicht. Ich weiß nicht, ob er ein guter, oder ein schlechter Schüler, was aber deutlich wird, ist, dass er einsam war. Er hasste die Menschen, denen materielle Dinge mehr bedeuten, als Gespräche. Denen Großmannstum und Rumprollerei mehr wert waren, als einen Gedanken an drängendere Probleme zu verschwenden.

Ich werde hier keine Lehrer beschuldigen - und das obwohl ich weiß, dass es innerhalb dieses Berufsstandes ein nicht geringe Zahl unfähiger solcher gibt - nein, ich werde ihnen sogar noch Rückendeckung geben.
Ein Lehrer an einem Gymnasium sieht sich heutzutage 25 - 3o Schülern gegenüber. Ihm ist durch Rahmenrichtlinien, die sich alle paar Jahre in unsinnigster Weise wandeln - wie auch Schulformen etc. - das Lehrziel vorgegeben. Er muss sich mit Huckepackkursen herumschlagen (in Sachsen / Anhalt z.B. wird Mathematik im Kursverband unterrichtet und der Schüler entscheidet, ob er die Prüfung nach Leistungskurs- oder Grundkursniveau ablegen möchte). Der Lehrer muss also Mittelmaß unterrichten, damit auch ja nur maximal 3o% das Ziel nicht schaffen. Das Problem dabei ist dann, dass die Schüler, die gefördert werden müssten, das betrifft die, welche mathematisch begabt, wie auch jene, die unbegabt sind, entweder überfordert, oder unterfordert sind, eben je nach Eignung. Und dies zieht sich durch alle Bildungswege, sei es Realschule oder Gymnasium. Dazu kommt das Unverständnis bzw. der Zeitmangel der Eltern. Ich werde dies den Erziehungsberechtigten nicht vorwerfen, es ist verständlich und logisch, schließlich will man einen gewissen Lebensstandard erreichen oder den erreichten erhalten. Oftmals ist es Eltern auch gar nicht mehr möglich die schulischen Veränderung nachzuvollziehen. Tja und Angriffspunkt sind nicht jene, welche sinnlose und den Lehrbetrieb störende Veränderungen einführen, sondern jene, welche eigentlich auch nur Opfer dieser ständigen Wandlungen sind, nämlich die Lehrer. Dazukommt, dass Lehrer keinen Erziehungsauftrag haben, sondern nur einen Lehrauftrag. Das viele mir bekannte Lehrer sich die Zeit nehmen und die Geduld aufbringen auch erzieherisch einzugreifen, bei häuslichen Problemen vermitteln wollen, spielt dabei keine Rolle. An den Noten sind die Lehrer schuld, nicht die Politiker, welcher völlig unzusammenhängende Rahmenrichtlinien erstellen lassen, innerhalb von nur 1o Jahren 16 Bildungsreformen durchsetzen und sich dann - so in Sachsen / Anhalt geschehen - ihre Neuerung mit einem Ergebnis rechtfertigen, welches einer Umfrage entstammt, die bereits 2 Jahre zuvor erstellt wurde und deren Auswertung - aufgrund der Teilnehmerzahlen - erst in diesem Jahr veröffentlicht werden konnte. Der Bürger, hier die Eltern schulpflichtiger Kinder, wird gezielt belogen, oder, weil man Politikern besser niemals das Lügen unterstellt, sie enthalten Teile der tatsächlichen Wahrheit vor.

Es ist wahr, wir leben in einer Demokratie, in einer, in der der Bürger eigentlich nichts mehr zu sagen hat. In einer, in der Bevormundung durch den Staat immer mehr überhand nimmt, wie auch die Anzahl der Versuche der Aneignung von illegitmen Kontrollmaßnahmen. Es wird mit Terrorgefahr begründet, dass bestimmte Datenerfassungsmechanismen auf einmal angewendet werden können. Verbote sollen mit natürlichen Ereignissen, die allesamt auf dem Versagen der Politiker beruhen, gerechtfertigt werden. Ja, es ist die Politik, die versagt hat, wenn ein junger Mann keinen anderen Ausweg mehr sieht und sich mit einem solchen Knall von dieser Welt verabschiedet. Es sind Politiker, welche die Verantwortung auf Instanzen abwälzen, denen sie die Möglichkeiten eines Eingriffs in eine solche Entwicklung genommen haben. Es sind Politiker, die mit unvollständigen Maßnahmen und Stückwerkgesetzen das Land langsam aber sicher ruinieren, sich durch diplomatisches Nichtssagen aus der Affäre ziehen wollen und im Zweifelsfall anderswo nach Schuldigen suchen. Es sind Politiker, die meinen, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten ihnen die Stimme gegeben hätte, nur weil viele Bürger so verdrossen sind von dem, was sie jeden Tag erleben, angesicht nie stattfindender, obwohl versprochener Reformen, resiginierten, dass sie überhaupt nicht mehr zur Wahl gehen. Natürlich ist das deren Fehler, doch, ist es zuviel verlangt, wenn die Damen und Herren, welche sich zur Wahl stellen. zur Abwechslung mal ihre hohlen Versprechungen halten würden? Früher hieß es mal, dass Wahlen verboten wären, wenn sie etwas änderten. Nun, dieser Satz ist falsch und jeder Bürger wird es nächstes Jahr wieder in seinem Portomonaise spüren. Nehmen wir zum Beispiel die Lehrer in Sachsen / Anhalt. Diese werden, wenn der Plan der lokalen Politiker aufgeht, nächstes Jahr eine richtige Änderung in ihrem Geldbeutel wahrnehmen. Ja, sie bekommen nämlich 1oo% Lohn, davon aber nur 72% ausgezahlt. Jeder der rechnen kann - und weiß, dass sie bisher 81% bekamen - wird feststellen, dass dies eine drastische Verdienstkürzung ist. Und, als Gipfel, es werden keine neuen Lehrer eingestellt. Abgesehen davon, welcher junge Lehrer würde sich das antun? Ende vom Lied, in 5 oder 1o Jahren wird ein Kind in Sachsen / Anhalt ausschließlich bei Lehrern Unterricht haben, die so alt sind, wie seine Großeltern, genauso wenig von dessen Jugendkultur verstehen und somit noch weniger auf seine Bedürfnisse und Probleme eingehen können.

Es wird einen Haufen junger Eltern geben, die wegen stetiger - unangebrachter - Steuererhöhungen mehr arbeiten müssen, wahrscheinlich mit Zweitjobs, also noch weniger Zeit für ihre Kinder haben. Aber, es sind Gewalt verherrlichende Spiele, welche einen Amokläufer dazu brachten seine Tat zu begehen. Es liegt nicht daran, dass kollektives menschliches Versagen vorliegt, begründet in mangelnder Kompetenz - nicht jeder Pädagoge ist Psychologe und nicht jeder Fachfleischepolitiker kann Bildungsminister werden -, in mangelnder Klärung der Zuständigkeit und, was viel schlimmer ist, in einem Mangel an Zeit und einer materialistischen Pervertierung der jungen Menschen. Das Volk der Dichter und Denker, holt nun der kommerzielle Henker. Handytöne sind mehr wert als umweltpolitische Debatten, das Häuslein im Grünen erklärtes Lebensziel und Andersdenkende müssen mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Schade, dass der junge Mann seine Energie so verschwendet hat, schade, dass er Menschen das Leben nahm, die genausowenig für die derzeitige Lage konnten, wie er selbst, schade, dass Politiker selbst jetzt noch nicht erkennen, dass ihre Bildungs-, Erziehungs- und Familienpolitik war, die dazu führte. Ja, ihr Damen und Herren in den Senäten, Landtagen und sonstigen staatlichen Gremien, diese Menschen habt allesamt ihr auf dem Gewissen.

So und nun wird vielleicht klar, warum das mal gesagt werden musste, denn die Damen und Herren werden sich in den nächsten Monaten die Mäuler zerfetzen, den Lehrern und Eltern die Schuld geben, dann in die Kirche rammeln und ihre Hände in Unschuld waschen, oder in der Kneipe ums Eck zufrieden grinsend ein Bier trinken. Achja, Herr Dieter Wiefelspütz, nur am Rand, Spiele, deren Inhalt aus kampftaktischer Simulation mit aktuellpolitischem oder historischem Hintergrund besteht, haben dem jungen Mann keine Waffen verkauft, sie haben auch nicht gesagt, dass es für ihn keinen Ausweg gibt, aber, vielleicht sollten Sie, statt immer nur zu schwaffeln, zur Abwechslung selbst mal in die Schulen gehen, die Klappe halten und den jungen Menschen zu hören. Vielleicht sollten all die feinen Nadelstreifen und Kostüme mal wieder in die Mitte des Volkes gehen, des normalen Volkes, schweigen und hören, dann über das Gehörte reflektieren und geeignete Konsequenzen ziehen. Dieses Volk kann mit einer Durststrecke umgehen, wenn langfristig eine positive Entwicklung zu erwarten ist. Aber, dieses Volk hasst eins: Halbwahrheiten und Lügen, Augenwischerei und leere Versprechungen.
Und noch etwas, durch das Spielen Gewalt verherrlichender Spiele lernt man nicht mit einer Waffe umzugehen und ich glaube, dass sollte auch ein Ansatzpunkt der Konsequenzen dieser Tat sein, ebenso, wie man sich den Brief des jungen Mannes zu Herzen nehmen sollte, denn er spricht einige Wahrheiten aus, die nur all zu gern, weil ach so unbequem, übersehen werden. Obgleich man sich nur wünschen kann - und jene, die an einen Gott glauben, egal, ob der hebraisch, arabisch oder Latein spricht, dürfen auch gern beten -, dass hoffentlich kein weiterer junger Mensch in solch ein Loch der Verzweiflung stürzt und seinem angestauten Frust in solcher Weise Luft macht.

In diesem Sinne - und weil ich den Film mag -
Good Night and Good Luck

1 Kommentar 21.11.06 15:59, kommentieren

Maulkörbe und ihre Folgen

Am 5.12.2005 konnte man bei Heise lesen, dass das Unternehmen für Forenbeiträge zu haften hat. Dieses Urteil, derzeit noch ohne schriftliche Begründung, aber wenigstens mit einem anständigen Aktenzeichen (Az. 324 O 721/05), wurde vom Landgericht Hamburg verkündet und gilt als einstweilige Verfügung. Soweit so gut, schließlich ging es ja um Skripte, welche den Downloadbereich einer Firma zum erliegen bringen konnten (warum auch immer, ob aus gutem Grund oder reine Boshaftigkeit, will ich nicht bewerten).

Jetzt jedoch bekommen auch andere Forenbetreiber plötzlich unliebsame Post von eifrigen Anwälten (<< das Wort eifrig hier bitte positiv betrachten), welche diverse, auch pekunäre Forderungen an die Betreiber stellen. Tja und da tut sich doch ein Problemchen auf, denn, in diesen Foren geht es darum, seine Meinung über Erfahrungen mit Firmen kundzutun. Also kurz, es geht um die Freiheit des Bürgers seine Meinung öffentlich wiederzugeben, solange dies nicht, die im GG verankerten Bestimmungen verletzt oder aber anderen, im Geltungsbereich erlassene Gesetze.

Zu dumm nur, dass es ja auch Rechtsregelungen gibt, und diese Rechtsregelungen jetzt das Grundgesetz berühren, denn, es ist ja nun mal, wie wir alle wissen, unser Recht unsere Meinung zu äussern.

Nehmen wir einfach mal ein Unternehmen, dass ein Produkt anbietet, welches fehlerhaft arbeitet. Das soll ja vorkommen. Ich als Endkunde beabsichtige das Produkt zu kaufen und möchte nun wissen, was andere Menschen darüber denken. Dummerweise hat die Firma aber eine eifrige Rechtsabteilung, welche sicher gut bezahlt wird, und den lieben langen Tag nichts anderes zu tun hat, als das, was ich auch machen würde, wenn ich mich über ein Produkt informieren möchte, nämlich Suchbegriffe in Suchmaschinen einzugeben, und dann, im Gegensatz zu mir, der nur lesen würde, alle Forenbeiträge oder unliebsame Kritiken von Anwendern abzumahnen und deren Sperrung, ja, Entfernung zu fordern.
Ich würde mir also im guten Glauben an den technischen Fortschritt ein Gerät zulegen, welches beim fünften, zwanzigsten oder hundersten Einschalten in Flammen aufgeht und, was noch schlimmer wäre, ich dürfte darüber nicht in einem Forum reden, sprich meine Meinung (die von erhitzt bis sachlich formuliert, alles sein kann) anderen mitteilen.

Nun, bleibt da noch der Blog. Ein guter, eifriger Leser stellt sicher sofort fest, dass ich meinen noch nicht so oft verwendet habe, aber, ich halte die Dinger für eine unglaublich gute Erfindung, wie auch Foren. Doch, ist ein Blog nicht auch ein Mittel um seine Meinung zu äussern? Ist also ein Blog nicht auch ein Forum? Sind nun auch die Blogserverbetreiber der selben Verfügung unterworfen und müssen Unliebsames streichen?

Wo führt das hin? Jeder, der genügend Geld oder eine ausgezeichnete Rechtsschutzversicherung besitzt, kann jeden Forenbetreiber einen Maulkorb umbinden und ebenso sicherlich auch einem Blogserverbetreiber, ob dieser nun in seinen AGB stehen hat, oder nicht, dass der Autor für den Inhalt verantwortlich ist.

Ich für meinen Teil sehe darin eine fatale Entwicklung, welche der Meinungsäusserung in diesem Land nicht gut zu Gesicht steht.
Wo kommen wir hin, wenn solch Beispiele Schule machen? Sind manche Firmen zu blind zu erkennen, dass Kritik, egal ob sie, aus Entäuschung heraus auch einmal unsachlich und mit bösen Worten vorgebracht, immer ein Hinweis und eine Hilfe für sie sein soll? Haben es andere Firmen nötig so zu agieren, und was ist, wenn die wahren Hintergründe, kriminellere bzw. halblegale, den Verbraucher schädigende Machenschaften sind? Wie sollen Betroffene andere finden, wie sollen noch nicht Geschädigte vor Schaden bewahrt werden? Wann wird die erste Zeitung mittels dieses Urteils belangt?

Und wieso findet sich eingentlich keine Partei, die bei Verkündung des Urteils auf die Barrikaden gehen sollte, da immerhin auch deren Wähler nun ein Recht weniger haben könnten, und eine eindeutige Verletzung des Grundgesetzes vorliegt.

Noch dazu, selbst wenn der Stein des Anstosses, vielleicht, ein wenig anrüchig sein mochte, wie soll ein Forenbetreiber, egal ob Konzern, Firma oder Privatperson, eine Flut von Nachrichten täglich kontrollieren? Bin ich bald verantwortlich, wenn mir Spammails mit zwiespältigem oder unlauterem Inhalt geschickt werden, muss ich deren Inhalt kennen, bevor ich ihn gelesen habe, kann ich überhaupt alle Nachrichten kennen, denn unheimlich viele davon landen ungelesen im Filter und von dort in /dev/null, und darf ich mich vielleicht nicht einmal mehr über diesen Mist aufregen, wenn er X-mal am Tag und n - Mal die Woche von der gleichen Firma bei mir eintrudelt?

7.3.06 18:47, kommentieren

Tja

Irgendwann f?ngt jeder an... Dacht ich mir auch so und, siehe da, nun hab ich wieder so einen dusseligen Trend mitgemacht und mir nen Blog organisiert... Tja, das ist das Leben. Achja, gut, ich wei? nicht, wie oft ich das schaffen werde, mal sehen, Zeit hat man im Diplom ja eigentlich nicht, aber, wie sagen wir NordS?dOstWestMittelEurop?er so sch?n: "Who cares?"

1 Kommentar 11.1.06 01:57, kommentieren