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Und da sage mir noch einer, ich unke...

Killerspiele
Bayern will Haftstrafen

Bayern und Niedersachsen wollen mit einer gemeinsamen Bundesrats-Initiative ein Verbot so genannter Killerspiele durchsetzen. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) will den Gewaltdarstellungs-Paragrafen 131 des Strafgesetzbuchs so ändern, dass die Herstellung, Verbreitung und Nutzung von Gewalt verherrlichenden Computerspielen bestraft werden kann. Becksteins niedersächsischer Amtskollege Uwe Schünemann (CDU) unterstützte am Dienstag die Pläne. Sein Ministerium arbeite an einem Konzept, das mit dem bayerischen Entwurf zusammengeführt werden solle. "Unser Ziel ist, Anfang 2007 eine gemeinsame Bundesrats-Initiative zu starten."

Haftstrafen von bis zu einem Jahr

Nach den Vorschlägen Becksteins könnten Herstellung, Vertrieb, Kauf und Nutzung menschenverachtender Computerspiele mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden. Ministeriumssprecher Rainer Riedl sagte, in der Praxis müsse es allerdings Differenzierungsmöglichkeiten geben. "Wer gewerbsmäßig die übelsten Killerspiele auf den Markt bringt, wird sicherlich anders bestraft werden, als jemand, der so ein Spiel von einem Freund ausgeliehen hat." Zuvor hatte "Spiegel online" über die bayerischen Pläne berichtet.

Wie schön, dass wir in Deutschland leben, in einem Land, welches weltweite Bemühungen zur erzwungene Durchsetzung der Demokratie unterstützt und dies mittlerweile sogar mit Waffengewalt. Einem Land, dessen Anführer und Oberhäupter ihre Bürger behandeln wie Kleinkinder und anstatt sich die Mühe zu geben die tatsächlichen Mängel zu beseitigen und die gesellschaftlichen Probleme zu lösen, Computerspiele als Teufelszeug hinstellen. Da kommen psychiologische Studien, die bestätigen, was man lesen will gerade Recht. Obwohl jeder zweite Mensch, der schlau genug ist, weiß, dass die beschriebenen Hirnregionen, dass angeblich so angespannte Stresszentrum, auch gleichzeitig für Freude, Erregung und nahezu den Rest aller menschlichen Emotionen zuständig ist. Könnte es also nicht sein, dass die Probanten dabei an ihre letzte LAN - Party dachten und sich vielleicht schon auf die nächste freuten, anstatt sich in ihrem völlig gesunden Gehirn auszumalen, wie schön es doch wäre dem Arzt das Herz rauszureißen? Was nicht heißen soll, dass sie das jetzt nicht denken, wo sie feststellen, welcher Schwachsinn in ihre Gefühlswelt interpretiert wurde?
Aber, so ist es in unserem Land, da werden verantwortungsbewußte Menschen, die klare politische Aussagen vertreten, vor den Richter zitiert, weil sie dafür ein Symbol in eindeutig ablehnender Weise verwenden, welches besser nicht in der Öffentlichkeit zu sehen ist.
Und bald sind auch die Computerspieler Verbrecher. Wie ist das eigentlich, Mensch, Ärgere dich nicht, wird verboten, weil man die Spielfigur des Gegners "schlägt"? Schach, ein überaus aggressives Spiel, eine taktische Kriegssimulation, bei der es darum geht Bauern zu morden und am höfischen Ränkeschmieden teilzunehmen (gut, um sich das vorzustellen braucht man Fantasie). Was ist mit den Disney Cartoons? Platt gedrückte Enten, Mäuse, die allesamt mit menschlicher Stimme sprechen, oder mit den Hanna Barbara Comics? Ach und überhaupt, Comics, ja, die sind auch gewaltverherrlichend. Wird auch jeder Fernsehserie, in der eine Ohrfeige verteilt wird, nun indiziert und die Szene mit schwarzem Balken und Pfeifton belegt? Und warum werden eigentlich Pornofilme nicht verboten? Man hat bei vielen Vergewaltigern solche gefunden. Nur mal am Rande erwähnt. Sind nicht alle Staaten die es jemals versucht haben, mit derartigen Verboten aufs Antlitz gefallen? Was war denn mit der Prohibition in den USA? Stieg drehte sich die Gewaltspirale dadurch nicht noch weiter? Natürlich werden wir hier nicht mit Waffengewalt EgoShooter organisieren, aber wenn der Import, der Verkauf und der Tausch (natürlich im legalen Rahmen!!! das UrhG sollte schon gewahrt bleiben) verboten ist, dann wird es trotzdem Menschen geben, die versuchen werden diese Spiele zu beziehen. Dann wird es umso reizvoller sie zu spielen und es dürfte klar sein, dass es dann auch verstärkte Verstöße gegen andere Gesetze geben wird, z.b. das erwähnte UrhG. Eine solche Ankündigung zu treffen grenzt schon an geistige Umnachtung, eine solche Entscheidung überhaupt in Erwägung zu ziehen und dann auch noch zu hoffen, dass damit solche Taten verhindert werden können, übersteigt schon den vertretbaren Grad der Inkompetenz, selbst bei einem Politiker.

Abgesehen davon, verehrter Herr Beckstein, es gibt gut 1o Millionen Geräte in Deutschland, an denen nach ihrer Einschätzung potentielle Mörder sitzen. Schalten sie bitte gleich das Fernsehen ab, verbieten sie das Radio und kappen sie ja alle Telefonleitungen, und vergessen sie dabei bloß die Internetzugänge nicht, verbieten Sie Computer, Handies, Konsolen und was es nicht noch alles gibt, auf dem man vielleicht mal sehen kann, wie irgendeinem Lebewesen irgendetwas passiert. Und dann, ja dann sollten sie eine SOKO Naturgewalt gründen, welche nach Katzen fahndet und mörderische Spinnen inhaftiert, denn diese Bilder könnten ja in einem Menschen Gewaltfantasien wecken. Vielleicht sollten sie aber einfach noch einmal mit dem Kopf gegen den Schrank laufen, ich hab aus so manchem Film gelernt, dass dies den vorher erlittenen Dachschaden repariert. Tja, ich glaube mit dem letzten Satz erfülle ich den Tatbestand der Verunglimpfung einer Person des öffentlichen Lebens, nun, andere nennen das Satire. Aber ich bin sicher, dass sie mich auch bald verklagen könnten, denn durch meine bildhafte Sprache hab ich soviel Gewaltverherrlichung betrieben, dass ich ganz sicher nach der Änderung des Gesetzes richtig Ärger kriege, denn, naja, sie müssen auch unglaublich viele Bücher zensieren. Ja, Winnetou, MacBeth, Kabale und Liebe, ja selbst den guten Faust sollte besser Niemand mehr lesen, denn auch dort wird physische Gewalt verherrlicht.

1 Kommentar 6.12.06 01:18, kommentieren

Von aufgeschreckten Hühnern...

Nun, wenn man heute Nachrichten hört, dann fallen einem recht schnell Meldungen eines angedrohten Amoklaufs in BW auf und natürlich diverse Warnungen vor einer drohenden Gefahr. Eine Direktorin ging sogar soweit ihre Schule für heute zu sperren, weil sie die Sicherheit der Schüler nicht garantieren könnte. Ich sag es dieser Frau nur ungern, aber sie sollte ihren Job an den Nagel hängen, denn eine Garantie dafür kann sie nie geben. Nur weil zur Zeit nach einem jungen Mann gefahndet wird, der angeblich einen Amoklauf im entsprechenden Bundesland ankündigte, ist das Leben der Schüler und Lehrer nicht mehr gefährdet, als an jedem anderen Tag. Aber in einer anhaltenden und von den Medien extrem forcierten Atmosphäre der Panik und Unsicherheit sind solche kaum noch verwunderlich. Doch, wieviele Amokläufe wurden denn überhaupt angekündigt und wieviele fanden einfach so, aus heiterem Himmel statt? Ist jeder Schüler, der ein Stöckchen in die Hand nimmt und "Peng Peng" sagt, oder einfach aus Frust einem Mitschüler ein "Ich mach dich kalt" an den Kopf wirft, jetzt schon ein potentieller Massenmörder?
Glaubt man den Medien, den hilflosen Aussagen diverser Politiker und den sorgsam gestreuten Informationen geldgieriger Firmen, so sind unsere Kinder und Jugendlichen, selbst die Anfang Dreißig Stehenden, ja ein absolutes Sicherheitsrisiko.



Wie tönt heute Bert Weingarten, Vorstand von PAN AMP, lauthals "Die Palette reicht von der Briefbombe bis hin zur Anleitung, wie sich große Personenzüge in die Luft sprengen lassen. Die innere Sicherheit des Landes ist dadurch massiv gefährdet." Kaufen könne man die meisten benötigten Materialien in Baumärkten und Apotheken. Mit solchen drastischen Warnungen will man auch Druck ausüben, die Internetfahndung bzw. -kontrolle bei der Polizei zu verstärken, die dazu auch die notwendigen Mittel wie von PAN AMP entwickelte Suchfunktionen benötigt, die PAN AMP kostenpflichtig anbietet. So heißt es denn auch in der Mitteilung von NDR Info, dass der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) bemängelt habe, "dass eine effektive Bekämpfung der Internetkriminalität mit der derzeitigen Ausstattung der Polizei kaum möglich" sei. PAN AMP wiederum fordert ein Verbot von Bauanleitungen und bietet auch Filter für diese an.



Ich dachte ja eigentlich immer, dass man für eine führende Position in einer Firma einen gewissen Schulabschluss benötigt, aber wahrscheinlich wurde dieser wegen möglicher Gefahren und notwendiger Gefahrenabwehr ja ausgesetzt. Ist ja nicht so, dass wir vor 2o Jahren noch der alltäglichen Bedrohung eines Atomkriegs ausgesetzt waren, die RAF eine angeblich Terrorherrschaft führt und Flugzeuge damals, wie heute entführt wurden. Jedenfalls, sagen wir es mal so. Wenn dieser Herr Weingarten meint, dass die möglicherweise im Internet vorhandenen 2oo.ooo Bombenbauanleitungen eine potentielle Gefahr darstellen, dann sollte man in Deutschland den Chemieunterricht abschaffen. Tut mir leid, es wurde richtig bemerkt, dass die meisten Stoffe zum Bau einer Bombe tatsächlich schon beinahe in jedem Haushalt vorhanden und falls nicht, sehr leicht zu beschaffen sind. Vergessen wurde dabei aber, dass in jedem Chemielehrbuch exakt steht, welche Substanzen das sind und in welchen Mengen und Mischungsverhältnissen sich eine gefährliche Wirkung einstellt. Nehmen wir doch auch gleich noch die Warnhinweise von den Verpackungen und Flaschen. Der einfache Toilettenreiniger wird zur Rohrbombe und es steht in der Gebrauchsanleitung, welche sich an der Aussenseite der Flasche befindet. Ja, sogar ein Verätzungsangriff ist mit im Haushalt verfügbaren Mitteln durchführbar, nämlich mit all denen, auf den steht Bei Augenkontakt sofort einen Arzt aufsuchen. "Praktischerweise" befinden sich viele dieser Substanzen in Spritzflaschen.



Betrachtet man jedoch mal die Anzahl der inländischen Attentats- und Anschlagsversuche, stellt man fest, dass die wenigsten davon mit umfunktionerten Reinigungsmitteln durchgeführt wurden. Wenn man natürlich Propangasflaschen und chemische Düngemittel ignoriert. Man stellt ausserdem fest, dass die Anzahl solcher Taten seit 195o verschwindend gering ist. Leider kommen sie immer wieder vor und das wird sich nicht ändern, wenn die Menschen sich immer weiter von einander entfernen, gesellschaftliche, wie soziale Klüfte immer weiter klaffen und der Leistungsdruck immer weiter erhöht wird?



Anstatt sich der einfachen Lösung Überwachungsstaat zu ergeben, sollte man vielleicht besser andere Maßnahmen ergreifen. Das diese anderen Maßnahmen weit mehr Aufwand und auch ein großes Umdenken in den Köpfen der meisten Menschen erfordern, sollte dabei nicht abschrecken. Vorallem aber sollten diese Maßnahmen keinen Zwang ausüben. Vielleicht wäre es besser, wenn man zum Beispiel und zur Abwechslung einfach mal den Betroffenen wirklich zuhört und sich nicht nur vor sie hinstellt und behauptet deren Probleme zu kennen. Ich wage ernsthaft zu bezweifeln, dass der letzte Politiker, der auf einer Wahlveranstaltung die ich besuchte, diese Aussage traf, tatsächlich weiß, was in meinem Kopf vorgeht. Natürlich bedeutet dies, dass man sich aus dem warmen Sessel erheben und unters Volk mischen muss, aber, meine Damen und Herren in den Verantwortungspositionen, das ist euer Job, das ist euer Auftrag, ihr seid nicht von uns beauftragt eure Geldböse zu füllen, Bestechungsgeldern, halt, Spenden und außerordentliche Zuwendungen nennt man das heute, zu kassieren oder auf äußerst schicken Parties gut auszusehen. Leider war letzteres wahrscheinlich eher der Grund, warum ihr im Amt gelandet seid, so ein vertrauenerweckendes Äusseres bedeutet leider manchmal mehr, als tatsächliche Eignung. Ach, und der Herr Weingarten hat da ein Programm, mit dem man das DeepInternet durchsuchen kann, nutzt das doch besser um die Stimmung im Land einzufangen, anstatt die Leute bald auch noch auf dem Klo zu observieren.

2 Kommentare 6.12.06 15:24, kommentieren