Archiv

Groteske Fehlwahrnehmung

In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" war also ein Artikel des Herrn CDU-Außenpolitikers Rupert Polenz zu lesen. In diesem wirft er den Deutschen, welche bei einer Umfrage meinten, dass die Politik bzw. die Politiker der USA gefährlicher seien, als die des Iran, dass diese Befragten an "grotesker Fehlwahrnehmung" litten. (Quelle: NOZ und N-TV)
Lieber Herr Polenz, auch hier gilt wieder einmal, wer Lesen kann, ist klar im Vorteil. Dort ist nicht die Rede davon, ob man die USA oder den Iran für gefährlich hält, sondern, wen von beiden man als höheres Sicherheitsrisiko für den Weltfrieden einstuft. Und nun überlegen wir mal und schauen die letzten 60 Jahre Weltgeschichte an. Die Gründe für dem japanischen Eintritt in den zweiten Weltkrieg wollen wir mal außer acht lassen, die Diskussion darum wäre einfach zu kontrovers, schon allein wegen des, von den Japanern gewählten Bündnispartners und natürlich der im Krieg gewählten Methoden. Dennoch sei hier angemerkt, dass der Einsatz der ersten beiden Atombomben noch immer mit der Verhinderung von Opfern gerechtfertigt wird. Es stimmt, es starben weniger Soldaten, aber eine ungleich höhere Anzahl Unschuldiger wurde getötet. Dazu als Anmerkung und als Beihilfe zum Verständnis, in Japan gab es zum damaligen Zeitpunkt keine direkte Demokratie. Des Weiteren sind Volksaufstände nicht in 5 Stunden geplant, besonders dann nicht, wenn die ethnische Prägung eine Erhebung gegen einen Gott untersagt. Man sollte seinen Feind schon kennen.

Der Koreakrieg:
Eine offene Einmischung der vereinten Nationen in eine innerstaatliche Angelegenheit, einen Bürgerkrieg, zur Verhinderung eines Völkermords. Es mag berechtigt gewesen sein und viel Glück verhinderte, dass General Mc Arthurs Vorschlag des Einsatzes von Atomwaffen gegen den Norden Koreas keine Zustimmung fand.

Der Vietnamkrieg:
Ein provozierte Krise löst den Übergang von der geheimen - Elitetruppen waren schon fast 5 Jahre in Vietnam stationiert - zur offene Einmischung der vereinigten Staaten aus. Das Ergebnis, die - nicht verhandelten - Kriegsverbrechen beider Seiten und die Opferzahlen sind bekannt.

Der erste Golfkrieg mit direkter amerikanischer Beteiligung:
Kuwait bohrt ein Öllager des Irak an. Der Irak überrennt das Nachbarland. Amerika mischt sich ein. Wir werden Zeugen des Präzisionsbombardements und dürfen dann feststellen, dass so mancher Raketensilo eigentlich ein Lüftungsschacht eines Hochhauses, eines Krankenhauses oder einer Fabrik für Babynahrung war. Weiterhin erfährt der "ungebildete" Ostdeutsche (ich darf das sagen, ich war 1990 noch ein solcher und bin es vielleicht heute noch) nebenbei, dass die CIA (gern als "Geheimdienst" der USA bezeichnet) mitgeholfen hatte, Saddam Hussein an die Macht zu bringen. Jenen Mann, der nun plötzlich Feindbild Nummer 2 ist (auf Platz 1 stand bis vor einigen Jahren - und somit zum damaligen Zeitpunkt - ein Österreicher mit Drang zur Weltmacht).

Der Krieg gegen den Terror:
Bombardierung - oder sollte man es schon Terraforming nennen - Afghanistans. Ziel Ausbildungslager der Al-Quaida. Wieviele getroffen wurden, welche geheimen Verstecke zerstört und warum ganze Berge eingeebnet wurden, wird wohl immer ein Geheimnis der verantwortlichen Generäle bleiben. Das es, im durchaus dünn besiedelten Afghanistan auch zivile Opfer und zwar eine nicht zu verachtende Menge, gab wissen wir mittlerweile jedoch.

Der zweite Golfkrieg oder die nie gesehenen Massenvernichtungswaffen:
"Wir wissen genau, wo sie sind. Im Norden, Süden, Osten, Westen, irgendwo in diesem Gebiet, nahe Falludja und bei Bagdad" (wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, dann stammt diese Aussage von Richard Bruce "Dick" Cheney). Die Konsequenz in Opfern beider Seiten zu bemessen ist noch nicht möglich, denn obwohl der Krieg, laut George Walker Bush - mission accomplished speech - vorbei ist, sterben noch immer Menschen im Irak und das ganz sicher nicht an neu gewonnener Freizeit. Ich will nicht leugnen, dass die Entmachtung eines Diktators sein Gutes haben kann. Schließlich lebte ich in einem Land, welche der Diktatur des Proletariats unterworfen war. Nicht das es mir schlecht ging, aber offensichtlich der übrigen, damals erwachseneren Bevölkerung (Notiz: 1989 war ich 14). Doch, der Welt hatten die Vereinigten Staaten von Amerika erklärt, dass sie in den Irak gehen um Massenvernichtungswaffen zu sichern, die, das wisse man mit Sicherheit - Colin Powell, G.W. Busch und Paul Wolfowitz - auf Ziele in Europa und der USA ausgerichtet wären. Eine bewußte Lüge.

Aber gut, das mag für Herrn Polenz noch nicht verdeutlichen, warum man vielleicht, unter Umständen, auf die Idee kommen könnte, dass die USA in den letzten Jahren weltweit mehr Konflikte ausgelöst und sich an diesen beteiligt hat. Es ist auch klar, dass er annimmt, dass sich die Deutschen es in jedem Fall leicht machen und die Vereinigten Staaten als eine Art Satan sehen wollen, doch dann schaut man mal, in wieviele Kriege der Iran verstrickt war.

Golfkrieg, Irak vs. Iran: Ein über zehn Jahre dauernder immer wieder aufflammender, blutiger Konflikt, der Millionen Menschen das Leben kostete. Waffen auf beiden Seiten sind nachweislich aus den USA geliefert worden und ebenso erhielten beide Staaten Finanzhilfe von amerikanischen Regierungen. Wahrscheinlich sollte dies der Erhaltung des "Ungleichgewichts" im arabischen Raum dienen, da so leichter an die natürlichen Ressourcen zu kommen war.

Schauen wir dazu ein wenig in die iranische Geschichte. Bereits 1921 beginnt eine Orientierung des damals noch Persien genannten Königreiches nach Westen. 1951 verstaatlicht der gewählte Präsident, Mohammed Mossadegh, dann jedoch die Ölindustrie, da sich Konzerne, welche die Bodenschätze eines eindeutig nicht als Kolonie zu betrachtenden Gebiets ausbeuten und das Land, welchem dieses Gebiet gehört nicht am Gewinn beteiligen wollen und zwar fair und nicht, wie bis dahin, zu 5% (mit BP). Daraufhin kommt es zu einem weltweiten Boykott des iranischen Öls. 1953 wird Mossadegh im Zuge der Operation Ajax gestürzt und eine Militärregierung eingesetzt. Dies sichert British Petrol das Monopol am iranischen Öl, vorerst.

Im Jahre 1979 jedoch siegt die islamische Revolution im Iran. Ruhollah Musawi Chomeini kehrt aus dem französischen Exil zurück und verkündet die "islamische Republik". Der Einfluss der Amerikaner und Briten ist gebrochen. Der Zorn - so westliche Agenturen - sitzt jedoch noch tief und so ist die Grundstimmung antiwestlich. Seltsam oder nicht, mir bekannte Iraner, welche in Deutschland Aufbaustudien Medizin und Medizintechnik absolvieren, sagen jedoch, dass dies alles nichts als Presseenten sind. Natürlich gibt es immer mal wieder, angestachelt durch diesen oder jenen Prediger hitzigere Diskussionen, aber insgesamt betrachtet haben die Leute im Iran völlig andere Probleme, alltägliche, wie die Menschen in Deutschland auch. Diese Leute haben mir auch einiges über die Fernsehbilder erzählt. So darf eine Frau sich im Iran nur politisch engagieren, wenn ihr Mann dies gestattet. Betrachtet man nun die Bilder der brennenden Fahnen, so sieht man, dass darauf eine fast äquivalente Anzahl Frauen und Männer zu sehen ist. Kurz, die Männer sind dort mit ihren Familien aufgetaucht. Wie sagte ich schon im Falle Japans? Man sollte seinen Feind kennen und verstehen, ihn respektvoll behandeln und sich seinen Gedanken zur Abwechslung auch öffnen.

Und nun die Frage, Herr Polenz, mit all diesen Dingen, die hier kurz aufgelistet wurden, welche sie selber wissen müssen, ansonsten sind sie als Außenpolitiker der CDU untragbar, warum wohl halten viele Deutsche ein Amerika unter einem Mann wie George W. Bush, einer Marionette der Ölkonzerne, der Freunde seines Vaters, eines Lobbyisten der chemischen, wie Automobilindustrie, der einem Staat vorsteht, welcher immer noch die meisten Massenvernichtungswaffen in Besitz hat, für gefährlicher als den Iran? Warum wohl traut man Nachrichten aus den USA nicht mehr? Warum wohl hinterfragt man selbst das gequirlte Geseier deutscher Politiker zweimal? Weil die Menschen einmal zu oft belogen wurden.

Natürlich ist eine fundamentalistisch - islamische Regierung, welche sich den Hass auf alles Westliche auf die Fahnen schreibt, möglicherweise - es gilt nicht als endgültig bewiesen - Terroristen ausbildet und in die Lage kommen könnte Atomwaffen zu bauen, gefährlich. Aber weit gefährlicher ist der Staat, der sie besitzt, der ohne mit der Wimper zu zucken die Welt belügt und unter Angabe falscher Gründe einen Krieg gegen ein Land vom Stapel bricht, das mit der eigentlichen Sache nichts zu tun hatte. Jeder Al-Quaida Experte versicherte G.W.B vor den Angriffen auf den Irak, dass dort keine durch den Staat geförderten Zellen existieren. Wenn es jetzt solche gibt, wundert mich persönlich das überhaupt nicht. Das Land wurde okkupiert, seiner Identität beraubt und der Möglichkeit aus sich selbst heraus dieses, seines Tyrannen ledig zu werden. Und wenn jetzt auch nur einer der Politiker dort behauptet, dass wäre nie geschehen, dann kann man ihnen nur vor die Füsse spucken, da sie nichts gelernt haben. Niemand hat geglaubt, dass die Mauer innerhalb des letzten Jahrhunderts fallen würde, sie tat es. Hier und da ist viel Blut geflossen, aber die Menschen haben es allein geschafft und allein ihren Weg zu ihrer Demokratie gesucht. Eine Demokratie nach westlichem Vorbild kann in diesen Ländern nicht so ohne weiteres funktionieren, selbst die Deutschen hatten ganz schöne Anlaufschwierigkeiten und auch im ach so tollen Amerika werden viele Freiheiten beschnitten, obwohl dort die angeblich beste Demokratie der Welt geschaffen wurde. Auch in Deutschland versucht man nun die Volksbestimmung und das Recht auf Meinungsfreiheit zu beschneiden. Man versucht uns vorzuschreiben, woher wir unsere Informationen beziehen, wie wir uns informieren. Angeblich müssten bestimmte Nachrichten erst in einen Kontext gebracht werden. Was heißt denn das bitte? Ein unterschwelliger Kommentar hier, ein nicht korrekt übersetztes Wort da? Und selbst wenn die Wahrheit noch so hart wäre, die meisten Bürger diese Landes, ja der Welt, könnten sie vertragen, wahrscheinlich aber die Politiker nicht, da dann ihr schönen Kartenreihenhaus zusammenbricht, die Menschen erkennen, dass auch in Deutschland nur die Minderheit des Geldes regiert und Wähler nur alle 4 Jahr zu gebrauchen sind. Ich habe tausende unschuldige Huren gesehen, nur einen wirklich ehrlichen Politiker noch nicht. Obwohl es da einen guten Kandidaten gibt. Wo der herkommt? Aus den USA.

1 Kommentar 30.3.07 11:40, kommentieren

Auf allen gesellschaftlichen Ebenen

Ach, was muss man von regionalen Politikern hören meist, wie ich zum Beispiel von diesem zu berichten weiß, der da Fritz Hähle heißt.

Herr Hähle ist bei der sächsischen CDU und darf sich dort Fraktionsvorsitzender nennen. Herr Hähle vertritt die Ansicht - und ich hoffe ich verstoße jetzt nicht gegen das UrhG - die im Folgenden kurz dargelegt werden soll:

"Die Verbreitung brutaler Video- und Computerspiele muss effektiv unterbunden werden. Die CDU-Fraktion schlägt dazu geeignete technische Maßnahmen wie beispielsweise elektronische Filter vor. Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich im Bundesrat für notwendige Gesetzesänderungen einzusetzen. Der Besitz der so genannten Killer-Spiele muss verboten werden"

(Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/87614/from/atom10)

Weiter sagt er: "Diese Spiele sind primitiv und sprechen gefährliche und niedrigste Instinkte an. Sie sind mit einem effektiven Jugendschutz nicht vereinbar und deshalb auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu bekämpfen"

(Quelle: ebenda)

Es ist ja dem aufmerksamen Leser nicht entgangen, dass ich mich aus persönlicheren Gründen mit den "Killerspielen" befasse. Dazu gehört unter anderem, dass ich mich auf GTA IV freue, lange Zeit CounterStrike gespielt habe und sich mir die Frage stellt, wann bitte endlich Tom & Jerry, Mickey & Goofy oder Donald Duck verboten werden. Als Beispiel und ich vermute die meisten, wenn auch wahrscheinlich nicht der 1942 geborenen Fritz Hähle, kennen Tom & Jerry sicher. Kleine Maus, rotzfrech, ärgert Katze, die tickt aus und will Jerry fangen. Ende vom Lied ist meist eine, für Cartoonfiguren recht schmerzfreie Kollision mit Wänden, Türen, Bügeleisen, dem einen oder anderen Amboß oder auch mal einem Klavier. Tja, warum erzähl ich das? Nun, sagen wir es so, wenn ein Kind ab 6 Jahre differenzieren kann, dass die Katze nicht wirklich draufgeht, dass es selbst besser nicht 6o mal vor die Wand läuft, kurz, dass das ein Trickfilm ist, dann ähm, tja, woran appellieren die Spiele nochmal?

Gut, es gibt da noch das Argument, dass der Spieler ja selbst zum Akteur wird. Überraschung, es gibt auch ein Tom & Jerry Jump'n'Run (für Unkundige so ein Spiel, wo man Hüpft und rennt ). Da ist man dann als Jerry recht aktiv dafür verantwortlich, dass Kater Tom einen Amboß auf den Kopf bekommt oder von einer Dampfmaschine plattgerollt wird. Natürlich unblutig, aber ist es deswegen weniger brutal bzw. setzen sich jetzt Scharen von 6-jährigen (ja, auch das Spiel hat die Freigabe) auf Dampfwalzen und überrollen Katzen? Ja, man könnte sagen, ein Kind kann ja solche ein Gerät nicht steuern. Liebe Leute, eine Maus kann das ganz sicher auch nicht.
Aber gut, kommen wir zu den richtig bösen Spielen zurück, denen mit Waffen, Blut usw. Ich bin ja froh, so als Kabel Digital Kunde, dass ich auf dem History Channel nur ganz selten mal die Geheimzahl eingeben muss, also, diese eingebaute Kindersicherung. SciFi ist da schon drastischer. Da durfte ich das letztens bei einem Film machen, der vor 1o Jahren noch im RTL Nachmittagsprogramm lief. Ich war ein wenig überrascht. Aber gut, in den USA läuft Baywatch ja auch im Abendprogramm.

Sei es drum, die bösen Spiele. Ich weiß nicht, ob man Quake oder Doom heute wieder sagen darf, aber, was kümmerts mich, ich mach ja keine Werbung für, sondern schreibe meine Meinung nieder und DehSternSternEm klingt einfach nicht wirklich gut. Jedenfalls sind mir beide Spiele in mehreren Teile gut bekannt. Sowohl im Netzwerk, als auch im Alleinspielermodus. 1996 erschien wohl der erste Teil der Quake Reihe, Doom 1993 und Wolfenstein 3D, nun, 1992. Lange Rede kurzer Sinn, ich habe Wolfenstein gespielt. Als Import, mit 16 Jahren. Dazu muss ich sagen, dass mein erstes Spiel - gekauft im November 1990 - F29 - Retaliator war, ein Flugsimulator, nicht besonders tolle Grafik - vom heutigen Standpunkt aus betrachtet -, aber doch zahlreiche Stunden Spielspaß und ja, auch virtuelle Kollaterallschäden (welche in diesem Spiel übrigens eine negative Bewertung einbrachten, man glaubt es nicht). Das schockierte Gesicht meiner Mutter, auf meinen Kommentare "ach, das bisschen Zivilbevölkerung", bewog mich dazu ihr nichts von Wolfenstein oder Doom, Rise of the Triads oder Quake zu erzählen. Vielleicht war es einfach besser für ihr Seelenheil nicht zu wissen, was ihr 1976 in der DDR geborener Sohn da so spielte. Fakt ist jedoch, dass dieser Sohn auch Bekannte und Freunde hat, reale solche, ich hielt mit 16 Jahren dann nicht mehr so viel davon ausschließlich vor dem Rechner zu hocken und sah mir ein wenig die Welt und die darin befindlichen andere Dinge an.

Egal, wir wollen ja woanders hin. Ich hab also jetzt gute 16 Jahre Erfahrung mit "Killerspielen". Und jetzt die Überraschung, ich hab mich noch nicht einmal in meinem Leben mit irgendjemandem geprügelt, ich hatte nie Gewaltfantasien und ich habe mir auch nie gewünscht, dass irgendwer tot umfallen möge, nur weil er mir auf den Zeiger ging.

Dies führt zu dem Punkt, dass ich entweder ein beneidenswerter Einzelfall bin, oder aber, dass sich Leute, wie Herr Fritz Hähle mal mit Fakten auseinandersetzen sollten.

Fakt ist, dass in meinem gesamten Bekanntenkreis (der sich dank Uni, Band etc. sehr weiträumig ausdehnt) noch nicht ein Computerspieler Amok gelaufen ist. Einige waren mal in Schlägereien verwickelt, aber, das waren viele andere Menschen vor uns, in Zeiten ohne Computern, auch. Ich erinnere da an Saalschlachten, welche angeblich politische Motivation hatten, diverse Dorfrivalitäten, die einmal im Jahr bei einem Markt in einer handfesten und oftmals blutigen Prügelei ausarten usw. Weiterhin hab ich immer mal ein Auge auf Verkaufszahlen und geschätzte Dunkelziffern der vermutlich nicht legal verbreiteten Kopien. Auch von diesen Leuten, mal vier Millionen, mal zwei, mal eine, mal acht Millionen, ist bisher nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz jemals durchgedreht. Oder anders, wann wurde das Hören von Wagner Opern verboten und welche Spiele hat man bei Saddam Hussein oder Pol Pot gefunden?

Und jetzt kommen wir zu einem interessanten Fakt. Rockstar North (die Entwickler von GTA, Midnight Club und Bully) haben öffentlich geäussert, dass ihre Spiele sich an realen Begebenheiten orientieren. Wenn also Gewalt in Spielen dargestellt wird, dann könnte es sein, dass diese Abbild und nicht Vorbild der realen Welt sind? Wäre es möglich, dass ein Spiel, in welchem Aliierte gegen Achsenmächte antreten, seinen Ursprung vielleicht einfach in der Geschichte hat und nichts anderes ist, als eine virtuelle Version von Räuber und Gendarme? Ist es vielleicht so, dass Kinder schon 1982 Holzstöckchen in die Hand nahmen und "peng peng" riefen? Ist es nicht vielleicht so, dass Kinder 1912 mit Marineuniformen rumliefen, weil es ein Trend war und sich mit selbstgebauten Schwertern schlugen, weil sie die reale Welt nachahmten? Ist es nicht vielleicht so, das Spiele ein Bedürfnis befriedigen? Das Bedürfnis fremde (oder eigene) Welten zu retten? Ist es nicht vielleicht so, dass all unsere Geschichten von Helden handeln, die Krieg führen? Auch wenn Frodo und Sam nur mit dem Ring zum Schicksalsberg tigern, der Rest kämpft in einem Krieg. General Gneisnaus Geschichte vom Gänsejungen zum Helden der Deutschen im Krieg gegen Napoleons Armeen. Vercingetorix, der große Gallier, ein Krieger, ein Mörder, ebenso Armin der Cherusker. Und wir alle wollten Helden sein, als Kinder und manche mögen es noch als Erwachsene. Vielleicht ist es ja so, dass Killerspiele überhaupt keine Killerspiele sind, dass der Name ein Symbol ist, etwas verschärfen soll, was nicht so ist und über das eigentliche Problem hinwegtäuscht.

Aber was ist denn dann bitte das eigentliche Problem? Alltagsleere bei Jugendlichen, Enttäuschung und Frustration, Einsamkeit und Isolation, nicht mehr zu bewältigende Schulpensen. Kanalisiert wird dies oft in Gewalt, denn Wut staut sich an und es gibt oft nur einen Weg, den Zorn, Hass und Verzweiflung nehmen können. Ein Ausbruch. Einmal erlebt, weiß man, wie herrlich befriedigend das ist und man sucht diesen Kick wieder. Adrenalin durchströmt den Körper, Macht über den Schwächeren, man glaubt die Befreiung aus der eigenen Ohnmacht zu spüren und das will man allen zeigen, deshalb wird es gefilmt. Man selbst will Respekt und am leichtesten ist dieser so verdient. Falscher Respekt, sicherlich, aber wenn dir alle zu Füssen liegen, dann denkst du nicht mehr darüber nach. Jeder wird dein Feind, Reden geht nicht mehr. Das hat man nicht durch Computerspiele gelernt, die braucht man dazu nicht. Das alles wohnt in uns und wird nie zu bezwingen sein, das ist das Tier im Menschen. Man kann lernen es zu kontrollieren, doch dafür brauchen Menschen Anleitung, einen Inhalt. Schule bietet diesen Inhalt nicht, Computerspiele bedingt. Sie sind eine Bedrohung, aber nicht in dem sie die Kinder zu Gewalt erziehen, sondern ihnen eine Realitätsflucht ermöglichen, eine alternative Identität aufbauen lassen, eine, in der sie mächtig sind und etwas wert. Und das Herr Fritz Hähle hat ihre Partei mitzuverantworten, durch die Zerrüttung des Bildungssystems, durch die Schließung von kleineren Jugendeinrichtungen, durch mangelnde Förderung von Vereinen, Künstlergruppen etc. Das Einzige, was ihr Verbot sogenannter Killerspiele darstellt, ist Augenwischerei bei fehlinformierten Wählern und Bürgern, bei jenen die zu bequem zum Denken sind bzw. die aufgrund mangelnder bzw. falscher Informationen die richtigen Erkenntnisse nicht ziehen können. Eine Hexenverbrennung um für eine Weile für Ruhe zu sorgen, von den wirklichen Problemen und der eigenen parteilichen Inkompetenz abzulenken. Keine Angst, wir vergessen den Entwurf des "Baum-Ab-Gesetzes" auch dann nicht, wenn sie jetzt sinnfreie Ablenkungsmanöver starten. Wir können froh sein, dass sich nicht alle Zeitungen kaufen lassen und Meinungen drucken, anstatt objektiv und unabhängig zu berichten.

Ach und falls es Ihnen, Herr Hähle, entgangen sein sollte, Niemand fliegt nach tausend Stunden an einem Flugsimulator, auch auf dem besten Heimcomputer ein Flugzeug mit 7oo oder auch nur mit 35o Stundenkilometern in ein 6o Meter breites Ziel. Niemand lernt den Umgang mit Waffen durch ein Computerspiel. Vorallem aber sind Waffen, die ich in einem Spiel erwerbe nicht real anwendbar, nicht einmal mit dem besten Drucker kommt dabei mehr raus als ein ungefährliches Bild.

Wenn sie, Herr Hähle, schon etwas bekämpfen wollen, dann lassen sie es die globale Erwärmung sein. Stimmen sie gegen das "Paragraphen-Pranger-Gesetz" mittels dessen die sächsische Landesregierung die Gemeinden zwingen will die Baumschutzsatzung abzuschaffen. Stellen Sie sich gegen die Pläne der Telekom 7ooo Menschen im großen Stil um ihren Lohn zu betrügen, trotz Gewinnzunahme. Machen Sie sich selbst nicht zu einer Marionette der Industrie, welche steif und fest behauptet durch illegale Downloads Gewinneinbußen zu haben, nur weil sie ihre prognostizierten 12o % Gewinnzuwachs nicht erreichen.
Ihre Partei nennt sich Volkspartei? Dann arbeiten Sie auch endlich wieder für das Volk, bekämpfen sie Lobbyismus, wo Sie ihn finden, denn das ist nur Korruption mit anderem, freundlicherem Namen. Tun Sie etwas konstruktives gegen die Ausbreitung der sogenannten "national befreiten Zonen" in der sächsischen Schweiz. Helfen Sie Kindern und Jugendlichen eine Zukunft zu finden, fördern Sie deren Interessen, schaffen Sie Ziele und tragen Sie dazu bei, dass der Mut wächst diese auch erreichen zu wollen. Ermuntern Sie Jugendliche zum freien Denken, verhindern Sie, dass braune Kinderfänger die jungen Köpfe mit menschenverachtenden Ideen verkleistern. Reden Sie nicht nur mit ihnen, sagen Sie ihnen etwas und wenn Sie nichts zu sagen haben, dann hören Sie zur Abwechslung einfach mal zu, wenn es schon sonst Niemand mehr versucht. Sie müssen keine Antworten liefern, Sie müssen nicht allwissend erscheinen, Sie müssen als Mensch auftreten.

Sie, Herr Hähle, sind in einer Position in welcher Sie durchaus Veränderungen herbeiführen können, aber nicht solche, die keinerlei Nutzen tragen, sondern nur Kosten verursachen wird, die Entwicklung der Medienlandschaft behindert, und im Endeffekt einen Kampf darstellt, welchen eine Regierung nicht gewinnen kann und hierbei sei an die Prohibition in den USA erinnert oder an Verbote von Pornographie. Es wird immer Mittel, Wege und Leute geben, um eine Regelung, wie z.B. das Verbot von Killerspielen zu umgehen. In diesem Fall gäben Sie Jugendlichen sogar noch einen Anreiz und sorgten dafür, dass garantiert jeder verbotene Titel in unvorstellbaren Stückzahlen getauscht würde. Die Leute haben Doom (wurde von der BPjS indiziert) und Quake (wurde von der BPjS indiziert) gespielt und sie laßen sich auch nicht vom Bezug und Spiel kommender Titel abhalten.

Des Weiteren sollte erst einmal geklärt werden, was ein Killerspiel ist. Gewalt verherrlichend? Das sind Tom & Jerry auch, oder Mickey und Goofy oder meinetwegen Fix und Foxi. Oder muss erst echtes Blut fließen? Dann wird es Zeit die Nachrichten zu zensieren. Allerdings nimmt das die Handhabe gegen Computerspiele, da das Blut in den seltesten Fällen echt ist. Und was ist mit Spielen, wie CSI oder Still Life, Spielen also, in welchen der Spieler in die Rolle von Kriminalermittlern schlüpft, mit recht eindeutigen Darstellungen Toter, was aber für das Spiel unabdingbar ist (USK 14 und USK 16)?

Oder muss es sich um einen Kampf handeln? Was ist dann mit Neverwinter Nights, dort finden Kämpfe reihenweise statt, gegen Untote, Orks, Menschen, Elben und so weiter, oder Elder Scrolls IV - Oblivion, auch dort wird gekämpft, recht blutfrei - einstellbar -, aber Kämpfe sind doch Gewalt und die Endkonsequenz des Kampfes ist der Tod, was es ja zu einem Killerspiel machen könnte.
Oder muss es eine taktische Simulation sein, sagen wir CounterStrike? Denn dort geht es nicht ausschließlich um das Umlegen von Terroristen (oder Polizisten, wenn man die andere Seite spielt), sondern vor allem darum zu gewinnen, sprich, die Gegner zu neutralisieren und das Ziel gemeinschaftlich, evtl. auch unter Selbstopferung zu erreichen. Übrigens von taktischen Polizeieinheiten abgeschaut. Selbst Die Sims 2, ein sehr beliebtes, als Familiensimulation bezeichnetes Spiel, bietet Gewaltmöglichkeiten, so kann man bewusst das Ableben unliebsamer Charaktere organisieren.

Nun, was ist "Gewalt verherrlichend"?
Das Schlüpfen in die deutsche Uniform des zweiten Weltkriegs im Rahmen einer gigantischen Nachstellung einer Schlacht? Das Befreien von Geiseln, entschärfen von Bomben? Oder das Bewachen der Geiseln, wobei diesen keinerlei Leid angetan werden darf, da dies zu Punktabzug bzw. auch zur Entfernung vom Server führen kann? Der Krieg im Weltraum, einer Fiktion des Herren Lukas folgend, oder ist Gewalt um der Gewalt Willen verherrlichend? Denn dann, Herr Hähle, hätten Sie ein Problem, denn die wenigsten Spiele beinhalten Gewalt nur um der Gewalt Willen. Nicht einmal die in Deutschland indizierten Titel Doom und Quake. Auch da steckt ein tieferer Sinn dahinter. Leider sieht man oft nur das, was man sehen will. Einen blindwütig mit der Maus (oder Trackball) rudernden, die Tastatur massakrierenden Jugendlichen, der ein kleines Kreuz über Köpfe bewegt, die dann, je nach Spiel, zerplatzen oder das "Opfer" aus Bits und Bytes nach hinten umkippen lassen. Ja, vielleicht sind 12, 14, 16 Jährige durchaus in der Lage zu unterscheiden, was ein Trickfilm ist und was Realität, denn nichts anderes ist ein Computerspiel, ein interaktiver Trickfilm.

1 Kommentar 30.3.07 14:23, kommentieren