12:52 Uhr gleich ruft er Frau Schmidt an

Falls auch nur ein Mensch, meinen Blog verfolgt, so wird er unzweifelhaft zwei Dinge feststellen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die jeden Mist notieren und sicher nicht zu den persönlichen Freunden diverser Politiker. In meiner noch hinreichend vorhandenen jugendlichen Naivität (ich bin jenseits der 3o), hatte ich es nicht für möglich gehalten, dass der Tag kommt, an welchem ich nicht nur an der Demokratie unseres Landes zweifle, sondern vor allem an deren Anwesenheit. Man möge mich nicht falsch verstehen. Bisher war ich der Meinung, dass eine langsam schwindende Mehrheit für all diesen Schwachsinn sorgt bzw. diesen unterstützt, der in unserem Land so passiert. Ich bin es gewöhnt widersinnige Dinge zu sehen, ich wurde schließlich in einem Land groß, dass zwar irgendwie zu Deutschland gehörte, aber erst mal wieder angeschlossen werden musste. Wenn es nicht so zum Heulen wäre, würde ich noch lachen, denn Wende hin, Vereinigung her, es änderte sich nichts. Auch heute erzählt mir jeder Politiker, ob blond, ob braun, ob rot, ob braun oder auch schwarz, dass er alles nur zum Wohle des Volkes tut. Das mag in seiner Vorstellung ja so sein, aber liebe Politiker, nicht alles Volk ist Vorstandschef, nicht alles Volk kann euch tausende Euro in den Rachen werfen, sondern nur wenige. Und manche davon haben nicht ganz so ehrbare Absichten. Sei es drum, dies ist nur eine Randnotiz wert, nur eine Erwähnung, um einmal den Blick, den Fokus auf die zu richten, die das Volk tatsächlich sind. So, da wären wir, bei etwa 76 Millionen (ich geh mal pauschal von 8o Millionen aus, ich weiß, dass es nicht mehr stimmt) Menschen. Von diesen ganz vielen einfachen Menschen sind ganz viele so einfach, dass meine jugendliche Naivität schon wie Schläue wirken könnte, oder sie sind so bequem, sich den Luxus zu leisten nicht über den Schwachsinn nachzudenken, den sie täglich aus Politikermund hören. Wieso ich mir die Frechheit erlaube das zu behaupten? Nun, vielleicht, weil ich Menschen kenne, die einen Herr Stoiber für die Ausgeburt des Intellekts halten und seine Worte für bare Münze nehmen. Was sie ja sicher auch sind, nur eben in einem anderen Sinne und vor allem für andere Leute. Egal. Von diesen treuen, ich nenne sie, in gnadenloser Arroganz einmal so, Schäfchen wählen n Prozent die eine, m Prozent die andere Partei, wobei von den n Prozent k - Prozent auf Bayern fallen. Das sind Menschen die glauben, dass alles länger dauert, dass jeder ihren Job machen kann, dass sie sich, da sie Familie haben alles gefallen lassen müssen oder, es sind solche, die problemlos einige Euro in alle Richtungen spenden können, weder auf Pflege-, noch Krankenversicherung angewiesen sind und die mit sehr viel Pech jemals in die Lage kommen werden nichts zu haben. Dann haben wir die anderen Leute. Menschen, wie zum Beispiel mich. Ein wenig schief ins Leben gestartet und im Versuch gefangen den Arsch (Verzeihung, aber so sagt es das Sprichwort) an die Wand zu bekommen. Mit ein wenig Glück wird mir das auch gelingen. Die sitzen da, schreiben Diplom-, Doktorarbeiten, haben das vielleicht hinter sich, machen eine Ausbildung, gründen gerade eine Familie oder feilen an ihrer kleinen Karriere, haben dabei recht bescheidene Ansprüche und Wünsche, leider auch ein offenes Auge.

Diese Menschen sehen, dass es Unrecht ist einem ausländischen Mitarbeiter ein Viertel des Lohnes zu zahlen. Es wird nicht besser, wenn man sich einredet, dass dies im Vergleich zum Heimatlohn das Dreifache ist. Diese Menschen sehen auch, dass es Unrecht ist, wie Staaten mit Geld oder besser deren Konzerne, Raubbau in anderen Ländern, denen mit wenig Geld, betreiben. Wir sind auch nicht so blind die Machenschaften von Großkonzernen zu übersehen, die den Staat oder das Bundesland mit seinen Arbeitslosenzahlen erpressen. Im Allgemeinen haben wir verdammt gute Augen. Manch einer kann sein Gewissen anhand des Gesehenen noch beruhigen, andere können es nicht. Der eine glaubt, dass es die CDU richten wird, der nächste an eine der beiden DPS Kombinationen, wobei sich eine heute Linkspartei nennt. Andere haben sich dafür entschieden Waagenzünglein zu spielen. Und ganz andere haben so tief ins Klo gegriffen, dass sie Parteien wählen, die gegen alles und jeden, ja sogar gegen die Würde derer sind und am liebsten alles abschlachteten, was ihrer Meinung nach - der einzigen noch zählenden - irgendwie fremd ist.

Ich gehöre zu den Leuten, die ein wenig Zünglein sein wollen, aber auch die Hoffnung haben, dass das Grinsebäckchen auf dem Wahlplakat doch ihre Interessen vertritt. Nun, seit dem 09.11.07 weiß ich, dass dies blanke Illusion war. An diesem Tag haben mich meine Volksvertreter verraten, verkauft und zum Verbrecher deklariert. Umgangssprachlich nennt man das Vorratsdatenspeicherung. Man verstehe mich nicht falsch, außer gelegentlichem CS/HL/BF Zockens (mit Freunden), leidenschaftlichen Abstechern (wobei das Wort Reise für Abstecher zu setzen ist) nach Tamriel, Provinz Cyrrodil, habe ich mit Gewalt nichts am Hut, noch weniger zu verbergen und muss mir eigentlich keine Sorgen machen jemals in das Raster zu geraten. Aber vielleicht will ich einfach nicht, dass jeder weiß, was ich bin, wer ich bin, wohin ich telefoniere und welchen Internetradiosender ich mag? Vielleicht ist eine EMail, so lesbar sie für Hacker ist, für mich trotzdem etwas, von dem ich erwarte, dass nur ein "Verbrecher" es liest und nicht die Leute, die mich vor diesen schützen sollen. Vielleicht weiß ich aber auch soviel über Rechner um mir ableiten zu können, wie man der Überwachung entkommt, wenn man ihr entkommen möchte. Und vielleicht bin ich plötzlich der Dreh- und Angelpunkt und weiß von nichts? Wer glaubt hier an die Sicherheit einer Firewall oder des IP-Forwarding / Masquarading? Lücken gibt es immer und auch Leute, die sie suchen, sowohl an meinem Rechner, als auch in irgendwelchen Gesetzen.

Schwupps, schon ist mein 12:52 Uhr Gespräch, welches ich jeden Montag mit Frau Schmidt - einer senilen alten Dame, die mich regelmäßig zwei Minuten zuvor versehentlich auf dem Handy anruft und dann auflegt und sich mittlerweile schon freut, wenn sie mich dann hört - im Mittelpunkt des Interesses.

Wer ist diese Schmidt?
Warum klingt sie so komisch, verstellt die ihre Stimme?
Wieso lallt sie und klingt so fahrig?
Was war das mit dem Bombenpäckchen? Ja, es klingt wirklich so, wenn sie mir erzählt, dass sie ihren Enkeln wieder ein Bonbonpäckchen geschickt hat.

Viele Fragen, die ich hier ohne Weiteres beantworten könnte und sicher auch werde, doch, ich muss es nicht, vor allem aber will ich nicht, dass sich jemand diese Fragen selbst beantwortet und das mit der Intention mich der Planung und Vorbereitung der Durchführung eines Gewaltverbrechens zu überführen. Frau Schmidt kenne ich nicht, ich habe sie nie gesehen, nur gelegentlich am Telefon gehört. Frau Schmidt heißt auch nicht Frau Schmidt, aber mir bedeutet die Privatsphäre einer Person noch etwas. Frau Schmidt ist 83 Jahre alt und wohnt nicht einmal in meiner Stadt, genau genommen wohnt sie am anderen Ende Deutschlands. Trotzdem freut sie sich mit mir zu reden. Frau Schmidt lallt, wenn sie ihre Kreislauftabletten vergessen und sie spricht fahrig, wenn sie zu viel Kaffee getrunken hat, was sie in ihrem Alter wirklich langsam lassen sollte. Tja und die Bombenpäckchen hab ich schon erklärt. Aber vielleicht haben die kleinen Männer im Ohr, bzw. die Sichter meiner Ferngespräche ja auch Recht und längst die Wahrheit erkannt, dass Frau Schmidt der der berühmt berüchtigte Verstellungskünstler Jassar al Schumschabrak ist, ein Anwerber der HatschiBombbatschi Fraktion, einer bekannten Splittergruppe der PLO/FFLN/VVJ, der mir schonende ins Hirn dringt und mir suggerieren will, dass ich mir im schönsten McGyver Stil eine Bombe bauen möge um jenen strategisch wichtigen Hühnerstall in meinem Hinterhof zu sprengen?

Tja, wie auch immer Frau Schmidt, unser kleines Geheimnis wird keins mehr sein, so auch meiner Gespräche mit Holger, Sandy oder Nikola nicht mehr. Die Telefonate mit meiner Frau ebensowenig. Und warum? Nur weil ich irgendwann einmal das falsche Wort in meine Tastatur hacke? Nun, wie sagt man so schön bei uns: Bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe runter. So ihr lieben Ermittler, euch ist klar, dass dies eine verdammt lange, verdammt breite Schneise Deutschlands ist, in der ihr mich suchen müsst. Aber ich mach es euch einfach, ich bin aus Dresden und ich weiß, was staatliche Kontrolle bedeutet, ich hab sie schon einmal erlebt, damals war ich 13. Das Land existiert nicht mehr, ich aber schon.

Was lehrt uns das? Nun, erst einmal, dass ich Frau Schmidt wieder anrufen werde, dann, dass ich keine Angst vor euch habe, vor allem aber, dass mir Freiheit schon lange wichtig ist. Ach und eins noch, überwacht das Land, außer sauer verdientes Geld der Steuerzahler auszugeben werdet ihr damit nichts erreichen, na doch, eins vielleicht, das der eine oder andere Bürger erwacht und feststellt, dass er seinen Wahlzettel das nächste Mal besser durchstreicht, als einen Herbstspaziergang zu machen. Ihr wisst ja, wie das ist, Hauptsache man geht zur Wahl, man muss ja keinen wählen. Denn das Volk zu vertreten, hat von 75 % der Abgeordneten, die abstimmten, oder sich enthielten, nicht einer verdient.

Am Rande noch, eine Politikerin einer Stadt, in der ich lange Jahre gelebt habe, vertritt nun die Meinung - nachdem sie in der DDR und in der Wendezeit für Selbstbestimmung, Redefreiheit und Meinungsfreiheit eintrat, als Moderatorin des runden Tisches eingesetzt war und die SPD in dieser Stadt (27.10.89) mitgründete - für diese Vorratsdatenspeicherung zu stimmen, die all den vorgenannten Dingen zu wider läuft. Frau Christel Riemann-Hanewinckel, ich bin sehr enttäuscht von ihnen, in nicht einmal zwanzig Jahren haben sie es geschafft all diese Ideale über Bord zu werfen, sie und sich selbst zu verraten und zu verkaufen. Obendrein haben sie mich, einen Menschen, der bekennend Gerhardt Schröder gewählt hat und selbst über dieses Fiasko hinaus weiter bereit war SPD zu wählen, dazu gebracht, dass nächste Mal ungültig zu wählen. Denn in diesem Land gibt es keine Partei mehr, die meine Interessen vertritt.

12.11.07 14:31

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