Mal wieder nicht zugehört...

Da hat der deutsche Ärzteverband endlich mal eine gute Idee, aber die Krankenkassen hören weg und die betroffene Industrie ergeht sich in populistischen Aussagen. Worum es geht? Logischerweise um eines der Lieblingsthemen der Deutschen, das Rauchen oder vielmehr dessen Einordnung als Krankheit.

Ich will nicht verhehlen, dass ich selbst Raucher war, jetzt als nichtrauchender Raucher zu betrachten bin. Ich war Genußraucher, Streßraucher, Gelegenheitsraucher, Zigarrenraucher. Das Einzige, was ich nie versucht habe, war Pfeife. Und dann, vor nun fast zwei Jahren stellte ich fest, dass ich irgendwann Kinder haben möchte und man ja somit doch eine gewisse Verantwortung, auch und gerade für die eigene Gesundheit hat und ließ ab von meinem liebsten Hobby, der Verpestung der Umluft für alle und jeden.

Nun, was schlugen denn die Ärzte so wunderbares vor? Nun, sie wünschen sich, dass das Rauchen als Suchterkrankung anerkannt wird. Sie stellten fest, dass die einfache Beratung beim Arzt nicht reicht, dass der Raucher Unterstützung braucht, wenn er mit dem Rauchen aufhören möchte und so weiter und so fort. Ich persönlich kann diesen Vorstoß nur begrüßen, denn ich bin sicher, dass ich heute noch qualmen würde wie ein Schlot, wenn da nicht der Fakt gewesen wäre, dass ich meine Diplomarbeit in relativer, vor allem aber nicht berauchter Abgeschiedenheit schreiben konnte. Wenn ich mir überlege, wie sich heute - fast zwei Jahre danach - noch immer der Geruch einer Zigarette auswirkt. Das man zugleich Ekel, aber auch den Drang selbst rauchen zu wollen verspürt, dann kann ich mir lebhaft vorstellen, wie sich ein Mensch fühlt, der gerade versucht von diesem Laster zu lassen und stetig und ständig damit konfrontiert wird.

Raucher sind oftmals ziemlich arrogante, Ich-bezogene Wesen, so wie alle Süchtigen. Einzig ihrem Genuss unterwerfen sie alle übrigen. Und das Schlimmste, sie wissen oft nicht einmal, wie abhängig sie sind. Die möglichen Erkrankungen werden mit einem lapidaren "warum sollte es mich treffen", oder gar einem "Ja, es sterben aber auch Nichtraucher daran" abgetan. Natürlich verrecken - und ja, mit dem ach so friedlichen Sterben, welches wir uns alle wünschen hat es nichts zu tun, wer es jemals gesehen hat, kann es sicher bestätigen - auch Nichtraucher an Lungenkrebs, natürlich gibt es bei denen auch aus anderen Gründen schwere Herz-Kreislauf Erkrankungen und so mancher leidet im Alter unter Diabetes. Nur, jetzt mal Hand auf die schwarze Lunge, ihr lieben Leidensgenossen, wieso gibt es unter Rauchern signifikante Präferenzen zu solchen Krankheiten? Natürlich zieht einem eine Schachtel Zigaretten nicht 1o Jahre oder auch nur ein Jahr des Lebens ab. Wie alt sollte ich bitte werden, wenn das stimmt? Fünf Jahre lang jeden Tag eine Schachtel. Ich müsste mich schon im Grabe winden, ja, ich hätte nie geboren werden dürfen. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass die meisten Kehlkopfkrebspatienten Raucher sind, das die Häufigkeit von Magengeschwüren bei ihnen höher ist. Spätfolgen einer Sucht, so wie jede Abhängigkeit körperliche Schäden hinterlässt. Und nur am Rande ihr lieben, euch jetzt die Hände reibenden Kifferchen: der Rauch den ihr da so einatmet enthält 3o% mehr cancerogene Stoffe, als der Qualm einer Zigarette und Wasser ist ein denkbar schlechter Filter dafür. Ganz davon abgesehen, dass übermäßige Genuss von Canabiolen auf jeden Fall Schleimhautschädigend wirkt. Das regelmäßig erneuerte Zellen einer höheren Mutationsrate unterliegen und Cancerogene oft Mutagene sind, braucht man jetzt hoffentlich nicht mehr zu erklären.

Aber, darum geht es ja nicht, sondern um das Zuhören. Zum Beispiel des Herrn Florian Lanz, vom Verband der Krankenkassen, der die Meinung vertritt, dass die Beratung beim Arzt ausreicht (ich habe in den 1o Jahren meiner Raucherkarriere nur von einem Arzt gesagt bekommen, dass es besser wäre mit dem Rauchen, Kaffee oder Tee trinken aufzuhören, weil das die Zähne verfärbt), das genügend Geld in die Behandlung von Herz-Kreislauf Erkrankungen bzw. Diabetes fließt. Nun Herr Lanz, hätten sie die Ohren nicht mit Zigarettenfiltern zugestopft (Sinnbild, ich will damit nicht behaupten, dass Florian Lanz raucht bzw. je geraucht hat, das entzieht sich meiner Kenntnis), wäre ihnen nicht entgangen, dass Prävention oft günstiger ist. Es gibt viele Menschen, die rauchen, die meisten werden sagen, weil es ihnen schmeckt, aber darf ich ehrlich sein, das ist die Sucht. Mich hat das auch ewig nicht gestört. Doch irgendwann gab es den Pelz auf der Zunge, der Atem war schwerer, die Erschöpfung eher usw. Von da an dauerte es noch drei Jahre, bis ich den Schweinehund überwunden hatte. Natürlich gibt es Selbsthilfegruppen, die man erstmal finden muss. Natürlich gibt es Begleitung, die man bezahlen muss und Hilfsmittel, die nicht billig sind. Aber lieber Herr Lanz, Raucher sind Süchtige, so, wie es Säufer sind und der Staat verdient verdammt gut an diesen. Was ja auch eines der Probleme ist, warum Ärzte (Durchschnittlich 45% (Stress-)Raucher) eher wenig Gehör finden werden.

Dann gibt es noch die Frau, die beruflich auf jeden Fall etwas dagegen sagen muss - ob sie raucht ist mir auch in diesem Falle unbekannt - sie ist Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes, heißt Marianne Tritz und tritt sonst eigentlich eher für weniger Abgasbelastung und natürlich erneuerbare Energiequellen auf (Tabak als Heizmittel, Passivrauchen für alle). Sie vertritt die Meinung, dass man nicht einfach 3o% der Bevölkerung für krank erklären kann. Das würde ja auch die Altbundeskanzler Herrn Schmidt (die verbale Entgleisung der Woche) und Herrn Schröder betreffen. Liebe Frau Tritz, ja, auch ein Bundeskanzler kann krank sein. Was wäre denn, wenn Herr Brandt an Krebs gestorben wäre? Sind deshalb alle Krebspatienten plötzlich gesund? Ich weiß, ich weiß, Äpfel und Birnen. Das eine ist eine anerkannte Krankheit, das andere ein Hochgenuß. Blutverdünnende Wirkung, gesteigerte Gefahr der Arterienverkalkung und des Venenklappenverschlußes, erhöhtes Risiko der Herzverfettung, nachgewiesene Affinität zu Karzionomen der Schleimhäute, Atemwege und der äußeren Epidermis. Weiterhin fördert das Rauchen die Entwicklung von Warzen bei von Humano Papillos Virus befallenen Menschen. Aber nein, es ist keine Suchterkrankung und darum sind die 3o% aller Menschen, von denen etwa die Hälfte auf jeden Fall eine der beschriebenen Schwererkrankungen durchmachen wird, mit den Behandlungskonzepten der Krankenkassen gut versorgt, anstatt ihnen heutzutage wesentlich günstiger, gute Therapien zu ermöglichen. Es soll keine Zwangsentwöhnung stattfinden, sondern lediglich das Angebot der Selbstentwöhnung, der Entwöhnungsbegleitung und aktiven Aufklärung erweitert werden.

Das alles hätten die Leute gewusst, wenn sie nicht nur die dicken Eurozeichen vor Augen hätten, der eine, weil seit Jahrzehnten liebe behandelt, statt vorgebeugt wird und die andere, weil sie die Interessen eine Industrie vertritt, die nichts anderes macht, als Suchtmittel ganz legal anzubieten. Das ein Verbot nichts bringt, wissen wir. Aber Hilfe beim Ausstieg, Beratung und eine Kampagne zur Imageänderung schon. Wahrscheinlich müssen dies aber private Verbände organisieren, allerdings steht zu vermuten, dass diese dann schnell als verfassungsfeindlich eingestuft werden, da sie eine staatstragende Institution gefährden: Die Tabakindustrie. Denn die Tabaksteuer sicherte 2006 immerhin 14.4 Mrd. Euro Staatseinnahmen ab, von denen lediglich 4.2 Mrd. an Krankenkassen gingen und wahrscheinlich wenigstens das doppelte zur Behandlung von Folgeerkrankungen ausgegeben werden musste.

16.9.08 11:20

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