Von aufgeschreckten Hühnern...

Nun, wenn man heute Nachrichten hört, dann fallen einem recht schnell Meldungen eines angedrohten Amoklaufs in BW auf und natürlich diverse Warnungen vor einer drohenden Gefahr. Eine Direktorin ging sogar soweit ihre Schule für heute zu sperren, weil sie die Sicherheit der Schüler nicht garantieren könnte. Ich sag es dieser Frau nur ungern, aber sie sollte ihren Job an den Nagel hängen, denn eine Garantie dafür kann sie nie geben. Nur weil zur Zeit nach einem jungen Mann gefahndet wird, der angeblich einen Amoklauf im entsprechenden Bundesland ankündigte, ist das Leben der Schüler und Lehrer nicht mehr gefährdet, als an jedem anderen Tag. Aber in einer anhaltenden und von den Medien extrem forcierten Atmosphäre der Panik und Unsicherheit sind solche kaum noch verwunderlich. Doch, wieviele Amokläufe wurden denn überhaupt angekündigt und wieviele fanden einfach so, aus heiterem Himmel statt? Ist jeder Schüler, der ein Stöckchen in die Hand nimmt und "Peng Peng" sagt, oder einfach aus Frust einem Mitschüler ein "Ich mach dich kalt" an den Kopf wirft, jetzt schon ein potentieller Massenmörder?
Glaubt man den Medien, den hilflosen Aussagen diverser Politiker und den sorgsam gestreuten Informationen geldgieriger Firmen, so sind unsere Kinder und Jugendlichen, selbst die Anfang Dreißig Stehenden, ja ein absolutes Sicherheitsrisiko.



Wie tönt heute Bert Weingarten, Vorstand von PAN AMP, lauthals "Die Palette reicht von der Briefbombe bis hin zur Anleitung, wie sich große Personenzüge in die Luft sprengen lassen. Die innere Sicherheit des Landes ist dadurch massiv gefährdet." Kaufen könne man die meisten benötigten Materialien in Baumärkten und Apotheken. Mit solchen drastischen Warnungen will man auch Druck ausüben, die Internetfahndung bzw. -kontrolle bei der Polizei zu verstärken, die dazu auch die notwendigen Mittel wie von PAN AMP entwickelte Suchfunktionen benötigt, die PAN AMP kostenpflichtig anbietet. So heißt es denn auch in der Mitteilung von NDR Info, dass der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) bemängelt habe, "dass eine effektive Bekämpfung der Internetkriminalität mit der derzeitigen Ausstattung der Polizei kaum möglich" sei. PAN AMP wiederum fordert ein Verbot von Bauanleitungen und bietet auch Filter für diese an.



Ich dachte ja eigentlich immer, dass man für eine führende Position in einer Firma einen gewissen Schulabschluss benötigt, aber wahrscheinlich wurde dieser wegen möglicher Gefahren und notwendiger Gefahrenabwehr ja ausgesetzt. Ist ja nicht so, dass wir vor 2o Jahren noch der alltäglichen Bedrohung eines Atomkriegs ausgesetzt waren, die RAF eine angeblich Terrorherrschaft führt und Flugzeuge damals, wie heute entführt wurden. Jedenfalls, sagen wir es mal so. Wenn dieser Herr Weingarten meint, dass die möglicherweise im Internet vorhandenen 2oo.ooo Bombenbauanleitungen eine potentielle Gefahr darstellen, dann sollte man in Deutschland den Chemieunterricht abschaffen. Tut mir leid, es wurde richtig bemerkt, dass die meisten Stoffe zum Bau einer Bombe tatsächlich schon beinahe in jedem Haushalt vorhanden und falls nicht, sehr leicht zu beschaffen sind. Vergessen wurde dabei aber, dass in jedem Chemielehrbuch exakt steht, welche Substanzen das sind und in welchen Mengen und Mischungsverhältnissen sich eine gefährliche Wirkung einstellt. Nehmen wir doch auch gleich noch die Warnhinweise von den Verpackungen und Flaschen. Der einfache Toilettenreiniger wird zur Rohrbombe und es steht in der Gebrauchsanleitung, welche sich an der Aussenseite der Flasche befindet. Ja, sogar ein Verätzungsangriff ist mit im Haushalt verfügbaren Mitteln durchführbar, nämlich mit all denen, auf den steht Bei Augenkontakt sofort einen Arzt aufsuchen. "Praktischerweise" befinden sich viele dieser Substanzen in Spritzflaschen.



Betrachtet man jedoch mal die Anzahl der inländischen Attentats- und Anschlagsversuche, stellt man fest, dass die wenigsten davon mit umfunktionerten Reinigungsmitteln durchgeführt wurden. Wenn man natürlich Propangasflaschen und chemische Düngemittel ignoriert. Man stellt ausserdem fest, dass die Anzahl solcher Taten seit 195o verschwindend gering ist. Leider kommen sie immer wieder vor und das wird sich nicht ändern, wenn die Menschen sich immer weiter von einander entfernen, gesellschaftliche, wie soziale Klüfte immer weiter klaffen und der Leistungsdruck immer weiter erhöht wird?



Anstatt sich der einfachen Lösung Überwachungsstaat zu ergeben, sollte man vielleicht besser andere Maßnahmen ergreifen. Das diese anderen Maßnahmen weit mehr Aufwand und auch ein großes Umdenken in den Köpfen der meisten Menschen erfordern, sollte dabei nicht abschrecken. Vorallem aber sollten diese Maßnahmen keinen Zwang ausüben. Vielleicht wäre es besser, wenn man zum Beispiel und zur Abwechslung einfach mal den Betroffenen wirklich zuhört und sich nicht nur vor sie hinstellt und behauptet deren Probleme zu kennen. Ich wage ernsthaft zu bezweifeln, dass der letzte Politiker, der auf einer Wahlveranstaltung die ich besuchte, diese Aussage traf, tatsächlich weiß, was in meinem Kopf vorgeht. Natürlich bedeutet dies, dass man sich aus dem warmen Sessel erheben und unters Volk mischen muss, aber, meine Damen und Herren in den Verantwortungspositionen, das ist euer Job, das ist euer Auftrag, ihr seid nicht von uns beauftragt eure Geldböse zu füllen, Bestechungsgeldern, halt, Spenden und außerordentliche Zuwendungen nennt man das heute, zu kassieren oder auf äußerst schicken Parties gut auszusehen. Leider war letzteres wahrscheinlich eher der Grund, warum ihr im Amt gelandet seid, so ein vertrauenerweckendes Äusseres bedeutet leider manchmal mehr, als tatsächliche Eignung. Ach, und der Herr Weingarten hat da ein Programm, mit dem man das DeepInternet durchsuchen kann, nutzt das doch besser um die Stimmung im Land einzufangen, anstatt die Leute bald auch noch auf dem Klo zu observieren.

6.12.06 15:24

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Jörn (23.7.11 23:54)
aufgeschreckte Hühner im Jahre 2011 schauen nach Oslo und trauern um mehr als 90 Opfer, davon starben zumindest 9 durch eine selbst gebaute Bombe des Täters. Genau dieses Szenario hat Weingarten Jahre zuvor beschrieben und gefordert, dass die gefährlichen Anleitung aus dem Netz entfernt werden.

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